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#1

Eupholidoptera Chabrieri in Österreich?

in Beobachtungen in Österreich 17.08.2011 22:12
von Lamgi-Mari • 2 Beiträge

Hallo Leute!

Ich habe heute (17. August) in Mödling eine Schrecke fotographiert, die mir eine Eupholidoptera chabrieri (grüne Strauchschrecke) zu sein scheint:


Wikipedia behauptet mit Verweis auf den Kosmos Heuschreckenführer (2006), dass diese Art in Österreich nicht vorkommt, sondern ausschließlich weiter südlich. Das verwundert mich etwas. Was meint ihr dazu? Ist die Information in dem Buch (bzw. Artikel) nicht richtig, oder hat die Schrecke (wegen Klimaerwärmung?) ihren Lebensraum erweitert?

Grüße,
Florian


zuletzt bearbeitet 17.08.2011 22:12 | nach oben springen

#2

RE: Eupholidoptera Chabrieri in Österreich?

in Beobachtungen in Österreich 17.08.2011 22:23
von hospiton • 2.720 Beiträge

Hallo Florian!

Na ich sch.... mich an!!! Da fahren andere nach Kärnten und weiß-Gott-wo hin und Du findest die vor der Haustüre!!! Da musst Du uns näheres berichten!!!

LG

Werner

PS: nach der ersten Euphorie: Ja, die Informationen stimmen, Günther hat sich noch nicht geäußert, ob er sie bei seiner Tour gefunden hat, bisdato wäre das der Erstfund für Österreich und dann gleich so nördlich? Verschleppung? Das die vorher auf dem weiten Weg von ihrem bisher bekannten Verbreitungsgebiet bis Mödling übersehen oder überhört worden wäre?? Was meint der Rest der Gesellschaft?


zuletzt bearbeitet 17.08.2011 22:28 | nach oben springen

#3

RE: Eupholidoptera Chabrieri in Österreich?

in Beobachtungen in Österreich 17.08.2011 22:37
von Günther • 2.336 Beiträge

Hallo Florian,

das wär ja ein Wahnsinn! Bitte teile uns den genauen Fundort mit, da muss man unbedingt mal nachsuchen gehen!
Tendenziell würde ich auch auf eine Verschleppung tippen, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass die Art übersehen worden ist, und außerdem liegen die nächsten Fundorte soweit ich weiß südlich von Österreich und nicht etwa östlich.
Wir haben sie hier in Kärnten bislang noch nicht gefunden, haben unsere Exkursion allerdings nicht mehr nach dem Viech ausgerichtet, sondern versuchen, anderweitige Lücken zu füllen, das erscheint uns sinnvoller...
Auf jeden Fall ein Top-Fund (wie auch immer er zustande gekommen ist)!

LG,
Günther

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#4

RE: Eupholidoptera Chabrieri in Österreich?

in Beobachtungen in Österreich 18.08.2011 10:27
von Toni • 490 Beiträge

Bitte unbedingt prüfen, ob es sich um ein autochthonens (natürliches) Vorkommen handelt.
Da die Art im Gesang sehr auffällig ist, sollte es möglich sein, fest zu stellen, wie viele Männchen vorhanden sind.

Vor einigen Jahren ist bei Lassnitzhöhe nähe der Autobahn Racocleis germanica gefunden worden.
Es stellte sich heraus, dass das Tier verschleppt wurde (???).
Ein weiterer Fund einer mediteranen Art bei Fürstenfeld betrifft Aiolopus strepens. Dieses Tier war jedoch 7 km von der Autobahn entfernt und an einem Tag mit Saharawinden erschienen.
Daher scheint bei A. strepens auch eine aktive Ausbreitung denkbar möglich.

LG, Toni


zuletzt bearbeitet 18.08.2011 10:28 | nach oben springen

#5

RE: Eupholidoptera Chabrieri in Österreich?

in Beobachtungen in Österreich 22.08.2011 23:30
von Lamgi-Mari • 2 Beiträge

Hallo Leute!

Tut mir leid, dass es ein paar Tage gedauert hat, aber jetzt habe ich neue Details zu unserem Fund.

Das Foto oben habe ich auf unserer Gartenhecke gemacht. Am nächsten Tag fand ich in einem Gestrüpphaufen im Garten noch ein Exemplar:

Nachdem es auch ein Männchen war, dachte ich, es ist vielleicht dasselbe. Daher wollten meine Freundin und ich das noch genauer überprüfen, und haben uns gestern Nacht auf die Suche gemacht. Toni hat recht, dass das Geräusch von Eupholidoptera Chabrieri sehr charakteristisch ist, inzwischen können wir sie auch als Laien recht gut erkennen.

Wir fanden tatsächlich zwei Tiere an verschiedenen Stellen, es gibt also definitiv eine Population. Allerdings dürften sie neu eingeschleppt sein, da man sie anscheinend nur in einem Gebiet von vielleicht 100m Größe hört/findet. Wir konnten vom Geräusch her etwa 10-20 Männchen ausmachen (allerdings die meisten davon nicht sehen, weil finster).

Falls ihr euch die Sache mal selbst ansehen wollt: Die Adresse ist Mödling, Andreas Hofer Gasse 36, bzw. lauf Google Earth Position 48°04'24''N 16°18'04''O. Die Tiere sind in den Hecken der Häuser auf beiden Seiten der Straße bzw. auch in der Wildnis gleich hinter dem Haus (einfach die „Pappelallee“ 30m entlanggehen).

Grüße,
Florian und Lisa


zuletzt bearbeitet 23.08.2011 21:11 | nach oben springen

#6

RE: Eupholidoptera Chabrieri in Österreich?

in Beobachtungen in Österreich 23.08.2011 00:04
von Toni • 490 Beiträge

Hallo Florian und Lisa!

Super, dass ihr der Sache nachgegangen seid.
Ich bin sehr erstaunt und weiss gar nicht was ich sagen soll.
Zunächst einmal würde ich in diesem Fall von einer autochthonen Population ausgehen.
Vielleicht habt ihr auch noch Lust die Umgebung weiter ab zu checken.
Na so was, so ein toller Fund. Gratuliere.

LG, Toni

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#7

RE: Eupholidoptera Chabrieri in Österreich?

in Beobachtungen in Österreich 24.08.2011 22:29
von Thomas Z-K • 738 Beiträge

Hallo Florian und Lisa!

Ich bin auch ziemlich baff - ein Superfund, der von der Lage absolut überraschend kommt. Das wäre jedenfalls der heurige Erstnachweis einer neuen Heuschreckenart für Österreich! Mit der Bodenständigkeit des Vorkommens wäre ich vorerst vorsichtig. Die Umgebung von Mödling ist seit über 150 Jahren heuschreckenkundlich eine der am besten untersuchten Gebiete Österreichs, bisher gab es aber noch keinen einzigen Hinweis darauf. Ich habe noch nicht davon gehört, dass das bei der Art möglich ist, aber eine Verschleppung nach einem Mittelmeerurlaub könnte ich mir auch vorstellen. Aber vielleicht sind sie jetzt schon seit einiger Zeit da, wenn es eine kleine Population bereits ist. Also unbedingt weitersuchen und dieses außergewöhnliche Vorkommen unbedingt genauer dokumentieren!

Viel Glück & Gratulation!
Thomas

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#8

RE: Eupholidoptera Chabrieri in Österreich?

in Beobachtungen in Österreich 25.08.2011 22:07
von Florin Rut • 269 Beiträge

Hallo zusammen

Bei euch geht ja wahrhaftig die Post ab - Gratuliere zur neuen Art!

Auf GoogleMaps habe ich gesehen, dass es in unmittelbarer Nachbarschaft eine grosse Gärtnerei hat, daher mein Hypothese, dass diese "Population" mit Pflanzenimporten angesiedelt wurde. Möglicherweise als Eier mit Pflanzenerde oder als Larven auf den Pflanzen.

LG Florin

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#9

RE: Eupholidoptera Chabrieri in Österreich?

in Beobachtungen in Österreich 26.08.2011 08:26
von hospiton • 2.720 Beiträge

Hallo allseits!

Nun, ich hab' mir gestern im Vorbeifahren die Lokalität angehört (zum Ansehen war es schon zu dunkel, war ja schließlich schon 22:30 MESZ )! Hier mein/e Bericht/Einschätzung:

Als ich mein Moped auf Höhe Haus Nr. 20 parkte, hörte man nur T. viridissima, Ph. griseoaptera und Unmengen O. pellucens. Ging dann ostwärts und ca. ab Haus Nr. 30 hörte man vereinzelte Eupholidoptera spec.! Und mit jedem Schritt wurden es mehr und der Höhepunkt lag dann eigentlich schon in der Biegung nach Norden, dort ist es dann schon die Salurner Gasse. In dieser war dann der Höhepunkt! Geschätzte Anzahl der stridulierenden Männchen weit über 50! Und biegt man in eine andere Gasse hinein, wird es schlagartig wieder ruhiger! Die von Florian angesprochene Pappelallee bin ich dann gar nicht mehr abgegangen.

Also: die von Florin angesprochene Gärtnerei ist mir auch in Google-Earth aufgefallen, aber auch die unmittelbare Südbahn-Trasse!!! Und das sollte des Rätsels Lösung sein, wenn man von "Ansalbung" - einem botanischen Ausdruck - absieht! Denn das "Epizentrum" liegt nun einmal viel näher an dieser Bahntrasse als bei der Gärtnerei, im Gegenteil - dort ist überhaupt keine zu hören! Aufgrund der Abundanz gehe ich von einer Einschleppung mindestens von 2010, vermutlich 2009 oder noch früher aus! Gibt es eigentlich Erfahrungswerte, in welchem Zeitraum eine Population anwächst, wenn man von all den natürlichen Predatoren ausgeht (nachdem das dort eine relativ abwechslungsreiche Kleingartensiedlung mit einigen brachliegenden Gärten in thermisch "gut situierter Gegend" ist, ist mit genügend Fressfeinden zu rechnen!)? Und hier haben wir, glaube ich, die einmalige Gelegenheit, die natürliche Ausbreitungstendenz eines Neozoon zu erforschen, um wieviel der Kreis um den "Hotspot" jährlich anwächst (falls überhaupt)! Die Chancen dafür schätze ich sehr gut ein, da der ganze Bereich Richtung Südwesten aus ähnlicher Habitatsstruktur besteht und der Eichkogel weniger als 1 km Luftlinie daran anschließt, und das wäre "der" Lebensraum für Eupholidoptera spec. (spec. absichtlich, denn eigentlich wissen wir ja noch nicht, welche ArtUnterart genau! Wenn wir von Verschleppung ausgehen, kann es ja auch eine andere Art/Unterart als chabrieri sein! Meines Wissens ist der Artstatus einiger Taxa noch nicht geklärt!)

Zusammenfassend: Nocheinmal ein herzliches Dankeschön und Hut ab! an unseren "Quereinsteiger" Florian, denn in dieser versteckten Gegend (Einbahn- und Sackgassenzirkus...) wäre diese Art einem Kartierer vermutlich nicht so schnell aufgefallen, erst in ein paar Jarhren, wenn sie den Eichkogel erklommen hat ! Und man muss als nicht orthopterologisch Interessierter erst diese neue Art als solche erkennen!

Und "wernersches (unwissenschaftliches) Detail" am Rande: interessant, dass die Art dort ausgerechnet in der "Südtirol"-Siedlung auftaucht, wenn man von den ganzen Straßennamen dort ausgeht!! Was war zuerst, Eupholidoptera oder die Straßennamen?

Spannende Sache auf jeden Fall, fast schon zum Saisonausklang!

LG

Werner

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#10

RE: Eupholidoptera Chabrieri in Österreich?

in Beobachtungen in Österreich 26.08.2011 23:13
von Thomas Z-K • 738 Beiträge

Hallo Werner!

Super dass Du so gezielt der Sache nachgegangen bist! Alex Panrok, der die Thermenlinie ziemlich im Griff hat und auch in Mödling wohnt hat die Gärtnerei zwar ziemlich im Hauptverdacht gehabt, Deine Südbahnthese ist nach der Verteilung aber eher plausibel. Andererseits kann die "Initiale" ja von der Gärtnerei ausgegangen sein. Die Südbahn ist klimatisch sicher günstiger, war dort doch zu Ebners Zeiten sogar der Euchorthippus pulvinatus zu finden! Vergleichbare dokumentierte Situationen mit eingeschleppten Arten kenne ich aus Österreich vorerst nicht, das ist sicher ein sehr spannender Modellfall!

Liebe Grüße
Thomas

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