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#11

RE: Barbitistes vs. Poecilimon

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 06.12.2010 20:51
von Florin Rut • 269 Beiträge

Hallo Liesi,

Alleine die Aufhellungen auf den Flügeln, schliessen B. serricauda aus. Ich würde sie als B. yersini einordnen, 100% sicher bin ich mir allerdings ohne Ansicht der Subgenitalplatte auch nicht, weil B. ocskayi nicht immer aufgrund der Farbe ausgeschlossen werden kann. Dein Fundort muss wohl ziemlich an der nördlichen Verbreitungsgrenze von B. yersini und B. ocskayi liegen.

Irgendwie wirken Habitus und Stellung der Cerci ein bisschen ungesund - der war wohl nicht mehr richtig fit!

LG
Florin

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#12

RE: Barbitistes vs. Poecilimon

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 06.12.2010 22:22
von Günther • 2.336 Beiträge

Hi Florin,

ja, nahezu die gleichen Gedankengänge hatte ich - nach Studieren der mir zur Verfügung stehenden Literatur - auch beim Betrachten von Liesis Photos (Farbverteilung auf den Flügeln, nördliche Verbreitungsgrenze, Syntopie der beiden Arten etc.).
Aber wie ich das mitbekommen hab, ist ocskayi zwar von der Färbung her durchaus variabel, aber dennoch nie so hell wie das abgebildete Tier.
Aber wie Du sagst: 100%ig wisssen werden wir´s wohl nie ohne Subgenitalplatte...

LG,
Günther

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#13

RE: Barbitistes vs. Poecilimon

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 06.12.2010 23:06
von Florin Rut • 269 Beiträge

Servus Günther,

genau das habe ich mir auch überlegt. Wir haben in Kroatien auch solche gesehen, die wir erst für B. yersini hielten, aber nach einem kurzen Blick auf die Subgenitalplatte als B. ocskayi identifiziert hatten. Zur Färbung von B. ocskayi schreibt der Harz auch "schwarz, schwarzgrün, schwarzbraun bis grün". Leider war auf unseren Heuschrecken-Safaris in Kroatien immer derartig viel los, dass ich die Variabilität nicht wirklich dokumentiert habe. Immer nur auf die krassen Farbvarianten drauf gehalten habe!

Die Regel waren so helle oder grüne Exemplare von B. ocskayi nicht, darum kann bei dem Foto von Liesi schon von einer B. yersini asgegangen werden.

LG
Florin

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#14

RE: Barbitistes vs. Poecilimon

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 07.12.2010 01:26
von Liesi • 226 Beiträge

Hallo Florin und Günther !
Also ich kann euch da leider auch nicht weiterhelfen - hab noch ein unscharfes Bild von oben ...
Aber das war gar nicht weit weg von der Küste am Karstabhang - wir haben das Meer gesehen :) ! Ev. trotzdem nördlichste Verbreitungsgrenze...
Lg Liesi

P.S.
1. was sind bitte "Titillatoren" (hab ich irgendwann irgendwo in diesem Forum gelesen und nirgends mehr gefunden)
2. was hat die Stellung der Cerci mit dem Wohlbefinden zu tun ? und was am Habitus wirkt ungesund - abgesehen davon, daß meinem Säbelschreck ein Bein fehlt kann ich keinen Hinweis auf Unwohlsein finden...

Angefügte Bilder:
Barbitistes_Säbelschrecke.jpg

zuletzt bearbeitet 07.12.2010 01:45 | nach oben springen

#15

RE: Barbitistes vs. Poecilimon

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 07.12.2010 21:22
von Florin Rut • 269 Beiträge

Hallo Liesi

schade ist das Bild nicht schärfer, darauf würde man die Nase der Subgenitalplatte schon sehen. Irgendwas scheint es dort auch zu haben, aber wirklich erkennen, was zur Subgenitalplatte oder was alles zum Epiproct gehört, kann ich nicht.

1. Titillatoren: Die sind vor allem bei der Bestimmung der Langfühlerschrecken wichtig und kommen meistens dann zum Einsatz, wenn es sich um schwierige Artengruppen handelt. Die Titillatoren sind ein sklerotisierter (harter) Teil des männlichen Geschlechtsaparat. Wozu die Dinger nützlich sind, weiss ich auch nicht ganz genau. Aber ich meine irgendwo mal gelesen zu haben, dass sie für die Positionierung der Spermatophore wichtig sind, aber nicht zur Verankerung, wie man vielleicht meinen könnte. An die Titillatoren kommt man nur ran, wenn die Hüpfer gelüncht werden und sie anschliessend unter dem Bionokular raus geschnitten werden. Die Dinger sind recht klein, z.B. bei den Ephippiger nicht grösser als 1-2mm. Grösse, Forum und Bedornung sind teilweise gute Bestimmungsmerkmale. Aber auch hier ist Variabilität manchmal erstaunlich gross.
Auf dem Bild unten sind die linken Titillatoren von Ephippiger terrestris nach Adolf Nadig. Der rechte Titillator muss man sich gespiegelt vorstellen. An der Basis (in der Grafik am linken unteren Eck) sind beide miteinander verbunden.



2. Auf dem Foto wirkt die Schrecke nicht fit, weil sie so einen Buckel macht und die Cerci spreizt. Ich habe schon öfter beobachtet, dass sie diesen "Katzenbuckel" machen, wenn sie verletzt oder durch Parasiten geschwächt sind. Die feinen Häute zwischen den einzelnen Segmenten sieht man auf dem Rücken auch, wodurch das Abdomen gebläht wirkt. Wenn die Schrecke sonst normale Reaktionen zeigte, kann es natürlich auch sein, dass sie gerade den Darm entleerte oder sich einfach mal strecken musste.

LG
Florin

Angefügte Bilder:
2010.12.07_Titillatoren_Ephippiger_Nadig.jpg

zuletzt bearbeitet 07.12.2010 21:25 | nach oben springen

#16

RE: Barbitistes vs. Poecilimon

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 27.12.2010 23:01
von Arne • 56 Beiträge

Liebe Leute,

heute mein erster Eintrag.

1) Also das Bild von Korfu zeigt ein Männchen von Poecilimon jonicus - Korfu ist -nur so nebenbei- der Typenfunsdort der Art!

2) Liesi's Bild ziegt mit großer Wahrscheinlichkeit B. yersini, das Pronotum ist bei ocskayi meist deutlicher
aufgewölbt.

3) Helle Färbung: ist u.A. dann vorhanden, wenn die letzte Häutung noch nicht alnge her war.

4) B. yersini und ocskayi kommen an der Adriaküste noch bis nach Italien vor, wirkliche Nordgrenze ist dass also noch nicht, aber knapp davor.

5) Titillatoren: wir publizieren gerade ein Studie darüber - sind ein sexuell selektiertes Merkmal bei Männchen. Lassen sich bei lebenden Tieren -vorsichtig!- herauspressen. Bitte vorsichtig üben. Sie werden während der Paarung eingesetzt und dienen - s. lateinische Bedeutung- der Anregung der Weibchen. Ürbigens haben Phaneropterinae keine derartigen Gebilde, deswegen dauern deren eigentlichen Paarungen auch nur sehr kurz, vom Verhaken der Cerci=Greifzangen in den Basalgruben der Weibchen bis zur vollständigen Übergabe der Spermatophoren etwa 1 Minute. Bei Tettigoniinae sind es wenigstens 10 Minuten.

Gruß Arne


zuletzt bearbeitet 27.12.2010 23:13 | nach oben springen

#17

RE: Barbitistes vs. Poecilimon

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 28.12.2010 12:43
von Florin Rut • 269 Beiträge

Servus Arne

Vielen Dank für die Ausführungen.

Hast du noch ein paar Angaben, wie du auf P. jonicus auf Korfu kommst. Hast du aktuellere Daten als 1984/85 von der Insel?

Titillatoren: An lebenden Tieren habe ich bisher keine Erfahrung, habe das aber auch schon gehört. Ich frage mich nur, wie machst du das, ohne die Tiere zu verletzen. Beurteilungen nur mit einer Handlupe, stelle ich mir teilweise auch schwierig vor - funktioniert das gut?
Was untersucht ihr, wenn man fragen darf! (Musst die Studie ja nicht gleich hier publizieren )

LG
Florin

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#18

RE: Barbitistes vs. Poecilimon

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 28.12.2010 23:22
von Arne • 56 Beiträge

Hallo Florin,

1) jonicus auf Korfu- ich habe über die Gattung Poecilimon promoviert und in Gänze zwölf Monate in Griechenland für Feldarbeiten verbracht. Als wichtigestes Merkmal der P. jonicus-Gruppe sind die schlanke Gestalt (vgl. mal einen P. ornatus), und die markanten vier schwarzen Linien auf dem Hinterfemur zu nennen. Die Hintertibie ist übrigens länger als der Hinterfemur, auch ein Merkmal dieser Gebüschkletterer. Die anderen Poecilimon-Gruppen haben Hinterschenkel zu -Schiene gleiche Länge. Dazu kommt noch die ganze Farbverteilung, braunes Pronotum von oben, feine weiße Begrenzungslinie an der dorso-lateralen Kante usw. Die meisten Arten sind parapatrisch oder allopatrisch, so dass die nächstverwandten Arten auf Korfu nicht vorkommen, sonst wäre es alleine anhand von Fotos schwierig. Eine P. werneri zB könnte ich dann nicht von jonicus trennen.
Und Nachweise von Korfu für jonicus sind mehrere, ich hatte neueres Material aus dem Museum Görlitz auf dem Tisch, Fotos in diversen Internetbilderarchiven.

2) Titillatoren am lebenden Tier: keine einfache Sache, aber gut ernährtes Tier suchen, dann ist der hydraulische Druck am größten, mit den Fingernägeln die Subgenitalplatte nach unten spreizen und den Hinterleib seitlich "sanft!" und langsam drücken bis die Titillatoren nach außen gerdückt werden. Das funktioniert wirklich, machen die Tiere bei der Paarung nämlich genauso. Zumindestens bei Metrioptera und Platycleis mache ich das öfter.

3) Zu den Titillatoren: Arbeitstitel:
Karim VAHED, Arne W. LEHMANN, James D. J. GILBERT and Gerlind U.C. LEHMANN
Copulation duration, genital (titillator) morphology and spermatophore size in bushcrickets
Wir sind in den letzten Zügen des Schreibens, wenn Interesse kannst Du das MS nach Einreichung haben.

Gruß Arne

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#19

RE: Barbitistes vs. Poecilimon

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 02.01.2011 20:10
von Florin Rut • 269 Beiträge

Hallo Arne,

danke für die ausführlichen Infos und Tipps – jetzt habe ich endlich ein „Opfer“ gefunden, das meine Poecilimon-Bilder bestimmen kann, es sind vielleicht auch nur ein paar 100!

12 Monate Feldarbeit in Griechenland, was für ein Traum! (Bei 40°C im Schatten den Hüpfern nachspionieren!). 2009 war ich erwas länger in Griechenland unterwegs, leider konnte ich nicht Unmengen an Literatur auf das Fahrrad packen, weshalb ich vor dieser Gattung schnell einmal kapituliert habe.

Das mit den Titillatoren an den lebenden Tieren, muss die kommende Saison einmal ausprobiert werden - aber ehrlich gesagt, habe ich ein wenig Zweifel - vor allem wenn die dann kotzen, beissen und schlagen!

Die Publikation würde mich natürlich sehr interessieren.

LG
Florin

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