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#1

NO-Griechenland im September 2010

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 27.09.2010 02:26
von Günther • 2.336 Beiträge

HELLAAAAAS!!

Ich möchte nun doch ein paar Heuschrecken-Bilder von Manuels, Christophs und meiner hauptsächlich ornithologischen Reise nach Griechenland hier reinstellen.
Es fällt mir unglaublich schwer, mich nur auf Heuschrecken zu beschränken und nicht zumindest ein paar Photos von anderen Tieren, landschaftlichen Eindrücken oder unvorteilhaften Momentaufnahmen meiner Exkursionskollegen zu zeigen, dass ich wohl nicht umhin kann, in den nächsten Tagen auch noch ein paar dieser anderen Bilder zu demonstrieren (wobei ich mich mit letzteren zammreißen werd;-).
Hier also mal wirklich nur ein paar Heu- und Fangschrecken. Mit mediterranen Arten hab ich, und laut seiner Aussage auch Manuel, kaum Erfahrung, deshalb ist es leicht möglich, dass das eine oder andere Bild falsch beschriftet ist. Bitte in diesem Fall um Korrektur!

Also:

Eine der häufigsten Arten (zB gleich am Beginn auf einer Brachfläche neben dem Flughafen) war die Gewöhnliche Nasenschrecke Acrida ungarica, von der es in Österreich ja nur 1 aktuellen Nachweis aus dem Südburgenland gibt.



Diese kann, wie zB auch unsere Gottesanbeterin, grün oder braun sein. Wäre das auf dem folgenden eine braune, kann man sich vorstellen, wie gut die getarnt sein können. Zum Glück für den Orthopterologen/Photographen fliegen die Tiere bei der geringsten Störung sofort auf und machen somit eigentlich ihre ausgezeichnete Tarnung zunichte...



Aus der Gattung Aiolopus kommen im Süden zumindest 2 Arten vor - thalassinus und strepens. Hier erstere (strepens haben wir vermutlich auch gesehen, aber zumindest ich hab keine photographiert):



Hier dachte ich zunächst auch an Aiolopus, aber aufgrund des schmalen "Halses" und der starken Behaarung, die man v.a. unterseits sieht, wird es wohl eine Ödlandschrecke der Gattung Acrotylus gewesen sein, meiner Meinung nach die Schlanke Ödlandschrecke Acrotylus patruelis:



Das wohl skurrilste Tier dort überhaupt, eine Empusen-Larve (Empusa sp.):





Auch Gottesanbeterinnen gibt es natürlich. Welche Art der Gattung Mantis das hier war, wissen wir allerdings (noch?) nicht:



Auch Dornschrecken gab es stellenweise viele zu sehen. Manuels und meiner Meinung nach das meiste wohl Tetrix bolivari. Aber wie man ja weiß, ist das bei denen nie ganz leicht....



Hier eine Platycleis. Tja, aber welche? Die Südliche Beißschrecke Platycleis affinis war auf jeden Fall zu hören, ob ihrer Größe wird das wohl auch eine gewesen sein:



Und das riesigste Viech von allen war das hier, höchstwahrscheinlich eine Europäische Wanderheuschrecke Locusta migratoria. Die hatte schon die Ausmaße eines kleinen Vogels, und hat beim Fliegen auch solche Geräusche von sich gegeben:



Und eine Larve davon:



Ich glaub ja, wir haben auch die Ägyptische Wanderheuschrecke Anacridium aegypticum gesehen, von der hab ich aber kein Photo (@Manuel: Du vielleicht schon, weißt eh dieses noch riesigere Viech ziemlich am Schluss, wo CRO auf der Mauer gestanden hat..). Oder täusch ich mich gar?


Soviel dazu jedenfalls. Ein paar andere Eindrücke folgen dann etwas später - weil´s gar so schön war;-)


Viele Grüße,
Günther


zuletzt bearbeitet 27.09.2010 02:40 | nach oben springen

#2

RE: NO-Griechenland im September 2010

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 27.09.2010 10:03
von hospiton • 2.720 Beiträge

Hallo Günther!

Da kommt mir vieles bekannt vor, da ich fast zeitgleich wie Du auf Korsika war (mein Bericht lässt noch auf sich warten, da ich auch erst durchbestimmen möchte...)! Das faszinierende im Süden ist halt das Lernpotenzial, wenn Arten, die man bei uns mühsamst suchen muss, in dutzendfacher Weise vor einem stridulieren und herumhüpfen sieht (auf Korsika ist das z. T. recht einfach, weil dort viele, bei uns alles übertönende häufige Arten, wie biguttulus oder parallelus, einfach nicht vorkommen, und so kann man sich seelenruhig z. B. auf einen O. petraeus "einhören", der dann das dominierende Element auf div. Almwiesen ist [edit: waren keine petraeus sondern Chorthippus c. corsicus und C. c. pascuarum - nur soviel zur Richtigstellung 1 Jahr später...]!)! Andererseits ist halt die (neue) Artenvielfalt wieder verwirrend!
Zu Deinder Tetrix: Es könnte auch die Paratetrix meridionale sein, die hat mich nämlich auch gefuxt, als ich (mit einer Artenliste von Korsika aus dem Internet ausgestattet und lt. dieser soll Tetrix nur mit ceperoi vertreten sein) voll Freude an einem Stausee tausende von Tetriden in allen Stadien herumhüpfen sah und ich so endlich "sichere" ceperoi als Vergleichsmaterial mitnehmen konnte... Man mus halt auch das Kleingedruckte lesen und nicht nur bei "Tetrix" nachschauen...!

LG

Werner


zuletzt bearbeitet 12.10.2011 09:04 | nach oben springen

#3

RE: NO-Griechenland im September 2010

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 28.09.2010 02:51
von Günther • 2.336 Beiträge

Hallo Werner,

danke für Deine Einschätzung!

Kann durchaus sein, dass es Paratettix meridionalis war, wir haben ehrlich gesagt nicht genauer recherchiert, das war nur eine Blitzbestimmung. Wie gesagt, es kann durchaus einiges falsch beschriftet gewesen sein. Die mögliche Locusta-Larve war vielleicht eine Anacridium-Larve, hab im iNetz ein Photo von einer solchen gesehen, die der abgebildeten ziemlich ähnlich sieht.
Also Fragen über Fragen...

LG,
Günther

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#4

RE: NO-Griechenland im September 2010

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 18.11.2010 09:45
von Florin Rut • 269 Beiträge

Hallo Günther,

bei den griechischen Heuschrecken habe ich mir auch schon die Zähne ausgebissen. Es wurden bisher ja immerhin 313 Arten plus 18 Unterarten registreirt (Stand 1984).
Kennst du die Fauna Graeciae? Das Werk kann ich nur empfehlen, vor allem ist es in Englisch verfasst. Es gibt einen Bestimmungsschlüssel und Verbreitungskarten. Natürlich hat sich in der Zwischenzeit sicherlich einiges geändert, aber ein guter Anhaltspunkt ist es allemal. Fauna Graeciae

Zu deinen Protagonisten:
Das auf dem 4. Bild würde ich auch als Acrotylus einordnen. Die Frage ist nur, ob es sich dabei um A. patruelis oder A. longipes handelt. Wenn ich mir das verhältnis der Höhe zur Länge des Mittelfemur ansehe, dann sricht dies eher für A. longipes. Nach Harz ist dieser ca. 10x so lang wie hoch oder ca. 2x so lang wie die Flügel breit. In Griechenland haben beide ungefähr ein identisches Verbreitungsgebiet.
Bei der Larve muss es sich um Locusta handeln. Die Larven von Anacridium haben diese schöne Augenzeichnung (Bild einer Larve von Anacridium aegyptium aus dem Velebit Kroatien).

Angefügte Bilder:
100717_50d0_IMG_64102.jpg
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#5

RE: NO-Griechenland im September 2010

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 18.11.2010 10:32
von Günther • 2.336 Beiträge

Hallo Florin,

besten Dank für Deine Anmerkungen!

Stimmt - das typische Kartoffelkäfer-Auge von Anacridium fehlt, dafür hat sie das Locusta´sche Scar-Auge..

Die Fauna Graeciae kannte ich nicht - und schon wieder Bücher, die man sich zulegen sollte. Man könnte den ganzen Tag nichts anderes machen als Bücher bestellen (heute warten auch schon wieder 2 auf der Post;)... Zumindest vor der nächsten Griechenlandreise wäre das auf jeden Fall eine Sünde wert.

LG,
Günther


zuletzt bearbeitet 18.11.2010 10:36 | nach oben springen

#6

RE: NO-Griechenland im September 2010

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 20.11.2010 12:51
von Florin Rut • 269 Beiträge

Servus

Ja, ja, das mit den Büchern kommt mir irgendwie bekannt vor. Schlussendlich muss man nur noch Zeit finden, die Werke angemessen zu studieren! Die letzte Anschaffung war der Verbreitungsatlas Ostösterreichs - genau die richtige Lektüre für den Winter. Bin von dem Buch rundum begeistert!

Lg
Florin

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#7

RE: NO-Griechenland im September 2010

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 28.12.2010 23:34
von Arne • 56 Beiträge

Lieber Günther, lieber Florin,

1) die Tetrigidae ist Paratettix meridionalis, gut erkennt Ihr zB die sehr hohen Legeklappen des abgebildeten Wb. der versenkte Kiel am Vorderende des Pronotums ist ebenfalls zu erahnen. Überhaupt die häufgste mediterrane Tetrigidae. T. ceperoi ist in GR selten und kommt überwiegend im Norden vor.

2) Locusta Nymphe ist ja geklärt: Anacridium hat auch die drei Querkiele auf dem Pronoutm, Locusta nur einen. Dazu kommt diese marklante Farblinie hinter dem Auge, ist ja auch bei dem adulten Wb zu erkennen.

3) Acrotylus nur nach Bildern - da streike ich, es kommt ja auch noch insubricus vor, also drei Arten!

4) Neueste Zusammenstellung für GR ist übrigens
Willemse F., Willemse L. (2008) An annotated checklist of the Orthoptera-Saltatoria from Greece including an updated bibliography. Articulata Beiheft 13: 91 pp.

Gruß Arne

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#8

RE: NO-Griechenland im September 2010

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 02.01.2011 20:57
von Florin Rut • 269 Beiträge

Lieber Arne

Super, werde u.a. das Beiheft gleich bestellen und das Articulta-Abo/Mitgliedschaft endlich mal abschliessen!


Das der Mittelkiel bei Paratettix meridionalis nicht direkt am Pronotumrand ansetzt erkennt man wirklich gut.


Mittelmeer-Dornschrecke (Paratettix meridionalis), 26.06.2009 - Griechenland, Kerkini-See


LG
Florin

Angefügte Bilder:
090626_50d0_IMG_45267.jpg

zuletzt bearbeitet 02.01.2011 20:57 | nach oben springen

#9

RE: NO-Griechenland im September 2010

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 02.01.2011 21:30
von Günther • 2.336 Beiträge

Ja, das ist wirklich ein super Merkmal, danke Arne!

Unsere Paratettix haben wir auch in der Nähe des Kerkini-Sees (unglaublich schöne Gegend!) gefunden, in einem breiten Bachbett. Scheint dort wirklich nicht gerade selten zu sein...

LG,
Günther

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#10

RE: NO-Griechenland im September 2010

in Beobachtungen außerhalb Österreichs 04.01.2011 23:04
von Günther • 2.336 Beiträge

Grüß Euch,

im Ursprungsbeitrag hab ich ja angekündigt, dass es von unserer Griechenland-Reise auch noch Bilder abseits der Heuschrecken geben wird. Passiert ist das zwar hier im Forum nie, aber ein Photo-Bericht davon ist jetzt online. Vielleicht interessiert er ja noch jemanden…

Bildbericht Nordost-Griechenland 2010 auf herpetofauna.at

Viele Grüße,
Günther

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