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#1

Bericht von der Chorthippus pullus-Expedition am Hochschwab

in Exkursionsberichte 23.07.2012 23:02
von WSW • 1.034 Beiträge

Schönen Abend!

Hab´s nicht sein lassen können und nachdem sich keine Interessenten gemeldet haben, bin ich heute allein an die Nordseite des Schwaben - die ja nach wie vor aus Natursicht in Österreich ein echter Geheimtipp ist, auch wenn Jagd- und Forstwirtschaft unangenehm mitmischen und einem die vielen Kanuten auf der Salza und die Motorradfahrer das Autofahren dort schon erschweren können. Aber sobald man sich von der Salza und der Straße wegbewegt...

Von den 5 Punkten habe ich 3 erledigt. Ich bin zuerst mal ins Brunntal, das ich von früher her schon sehr gut kenne. Da gibt es diesen Brunnsee mit seinen Feuchtbiotopen und Millionen von Epipactis palustris und gleich dahinter war uriger Wald mit den herrlichsten Frauenschuh-Vorkommen, die ich kannte - Pakete mit 50 bis 100 Blüten und 3-blütige Exemplare. Eines Frühlings stellte ich fest, dass man aus diesem Bereich ein großes Hirschgatter gemacht hatte, wo nun diese Wildtiere ein halbes Jahr als Haustiere gehalten werden. Den Frauenschuh und all die anderen Orchideen haben sie schon im ersten Jahr gefressen. Ich bin darauf nicht mehr hin und so blieb es Lisbeth Zechner vorbehalten, den pullus dort zu entdecken, denn es war vor meiner Heuschreckenzeit.

So sieht es vom Parkplatz gesehen aus, landschaftlich einmalig:



Vom Brunntal wird ein kleiner pullus-Bestand mit einem Fund von 8 Tieren im hinteren Talschlussbereich angegeben. Ich bin gleich einmal zum unteren Ende des Schuttstroms gequert und habe nach einigem Suchen 3 Männchen in einem Grasbüschel gefunden. Vom Aussehen war ich allerdings enttäuscht: so hässlich braun wie am Lech!



In weiterer Folge hat sich gezeigt, dass der Kiesbank-Grashüpfer im ganzen Schuttstrom zu finden ist, unten sehr selten und weit zerstreut, nach oben etwas mehr werdend, aber nirgends häufig. Ich habe heute über diese Art wieder sehr viel gelernt. Die Ursache liegt vermutlich in suboptimalen Biotopbedingungen. Es fehlt weitgehend an feinsandigen Bereichen und tw. auch an der passend strukturierten Vegetation auf entsprechend großen Flächenanteilen.

Dennoch schätze ich vorsichtig, dass im Brunntal etwa 100-300 Kiesbank-Grashüpfer leben dürften, wobei sich das Vorkommen auf ca. 1,2 km Schuttstomlänge erstreckt.

Die üblichen Begleitarten kommen auch vor, wobei besonders das relativ gute Auftreten von Podisma pedestris an einem Naturstandort überrascht.



Tetrigiden habe ich natürlich auch gesucht und schnell gefunden. Die vermeintlichen bipunctata agg. erwiesen sich allerdings durchwegs als tenuicornis! Erst am letzten untersuchten Platz sah ich dann den da:



Leider entwischte er mir noch vor einem Fangversuch. Aber ich tippe sehr stark auf kraussi. Tetrix tuerki passt dort leider nicht hin, wie gesagt, zu wenig feuchter Sand.

Und am Ende wurden die pullus dann immer schöner, bis ich dieses Männchen erwischte:



Zu Hause bin ich mir jetzt sicher, dass es mein bisher schönster pullus war. Die Rottöne lassen nichts zu wünschen übrig und greifen auch aufs Abdomen über, das gleichzeitig einen grünen Hauch hat, unglaublich! Und auch sonst sehr kontrastreich mit den Farben Schwarz, Weiß, Grau und Braun - besser geht´s fast nimmer

Nun zum vll. weniger Erfreulichen: Im Schuttstrom wurden zahlreiche Geschiebesperren aus Holz verankert - und damit u.U. vll. sogar das langfristige Ende des pullus eingeläutet? Aber ich bin da absolut kein Experte....



Hier das Habitat von einem Schuttkegel aus:



Folgende Arten habe ich heute im Brunntal gefunden:

Pholidoptera aptera
Ph. griseoaptera
Miramella alpina
(wenige am Schuttkegel)
Podisma pedestris
Psophus stridulus
(nur 2 L)
Omocestus viridulus
Chorthippus brunneus
Ch. pullus
Gomphocerippus rufus
Tetrix tenuicornis
T. bipunctata
agg.

Beim Brunnsee noch:
Tettigonia cantans
Ch. parallelus
Ch. montanus


Damit sind wir bei den off topics.

Erst mal für Günther:





Beide mehrfach, ersteren hab ich dann auch am Bach bei Gschöder angetroffen.

Für mich die Sensation war aber eine Raupe (bitte Werner, wenn du bis dahher kommst, sag, dass es eine Raupe ist ). Ich hab mich schon öfters gefragt, wo sich denn die Jakobskraut-Bären in den Alpen entwickeln, denn Senecio jacobaea gibt´s da ja nirgends. Zufällig schieße ich beim Durchpflügen von Pestwurz etwas gelb-schwarz Geringeltes in einen Blattrichter - die Raupe von Tyria jacobaeae. Und auf dem riesigen Schuttstrom saßen folgerichtig tausende von diesen Raupen auf den Blättern der Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus)!





Und am Schuttkegel gabs zwar kaum Heuschrecken, dafür Botanik vom Feineren:

Alpen-Meier (Asperula neilreichii)



Felsen-Alpen-Leinkraut Linaria alpina ssp. petraea



Ostalpen-Mohn Papaver burseri



Ich glaube: Ennstal-Frauenmantel Alchemilla anisiaca



Eine Niederlage war der Kreuzenzian beim Brunnsee - keine weißen Punkterln mehr drauf wie früher - Kreuzenzianbläuling ausgestorben?



Nun ein Stück weiter nach Gschöder. Der Bach war gar nicht schlecht, alles halt ein bisserl kleiner und weniger, und für den Kiesbank-Grashüpfer reicht´s dann eben gar nicht mehr...



Die Schotterbank an der Salza bei Weichselboden schließlich erwies sich als zugewachsen, damit untauglich als Habitat.

Fazit des heutigen Tages: Kein neues Vorkommen entdeckt, aber trotzdem ein toller Tag! Chorthippus pullus ist einfach ein extrem anspruchsvolles Viech. Damit der vorkommt, muss folgendes passen: ausreichende Habitatgröße, nicht zu starkes Gefälle, richtiger Mix aus Geröll, Kies und Feinsand, passender Pflanzenaufwuchs (insgesamt locker und zerstreut, aber mit flächigen Grasbüscheln). Mich wundert, dass der in Ö überhaupt noch vorkommt, so wie wir mit unseren Flüssen und Bächen umgehen. Die letzten Vorkommen sind extrem schützenswert, denn verlorene werden sicher nie wieder besiedelt!

In NÖ braucht man meiner Meinung nach nicht mehr suchen, das kleine Vorkommen an der Lassing ist schon ein Riesenglück.

Und damit schließe ich diesen längsten aller Beiträge
Wolfgang

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#2

RE: Bericht von der Chorthippus pullus-Expedition am Hochschwab

in Exkursionsberichte 24.07.2012 07:53
von hospiton • 2.721 Beiträge

Hallo Wolfgang!

Zitat von WSW im Beitrag #1
...bitte Werner, wenn du bis dahher kommst...


Du bescheinigst mir masochistische Züge, wenn ich Deine tollen Dokumentationen nicht bis zum Ende lesen würde!!!

Zitat von WSW im Beitrag #1
...sag, dass es eine Raupe ist )

...die Ferien dauern wohl schon zu lange...!

Nein, Scherz beiseite: das ist endlich der erbrachte Beweis, den Ekkehard Friedrich in seinem "Handbuch der Schmetterlingszucht" (ich glaube, dass es in diesem Buch stand, oder/und auch im Forster&Wohlfahrt?) erwähnte, dass Th. jacobaeae im Gebirge an - allerdings - Huflattich Tussilago farfara lebt und diese Pflanze bei der Zucht auch als Ersatzfutter genommen werden kann, da die wenigsten (damals zumindest) auf Jakobskreuzkraut zugreifen können/konnten. Und interessant, warum er gerade diese wenigen Gattungen innerhalb der Asteraceae annimmt, aber wer weiß, worauf er noch unentdeckt frisst....

Bzgl. M. rebeli: Sollte der phänologisch schon durch sein? Lt. Lepiforum-Fotos ja, aber Du kennst den ja besser...?!

Und - du wirst es nicht glauben, aber ich kenne die Gegend so halbwegs, allerdings aus meiner "Jugend", wir machten damals eine Bootstour mit einem, von einem Arbeitskollegen und Freund selbst gebastelten Indianderkanu von Weichselboden aus, genau von der Stelle aus, die Du abgebildet hast (allerdings kannte ich - bis heute übrigens - den pullus noch nicht)!

LG

Werner


zuletzt bearbeitet 24.07.2012 07:53 | nach oben springen

#3

RE: Bericht von der Chorthippus pullus-Expedition am Hochschwab

in Exkursionsberichte 24.07.2012 12:03
von WSW • 1.034 Beiträge

Auf der Taleralm am Lassingbach fliegt der rebeli so um Anfang Juli (hoffentlich noch, sollte mal nachsehen). Wenn der Kreuzenzian zu blühen beginnt, dann sollten bereits die Räupchen schlüpfen, um die Fruchtknoten des Enzians zu befallen. Die kalkweißen Eischalen aber bleiben noch lange sichtbar, da die Raupen nach unten schlüpfen und gleich in den Fruchtknoten vordringen, wenn das Ei auf eine Knospe gelegt wurde. Die anderen Raupen, deren Ei auf ein Blatt gelegt wurde, müssen erst zu den Blüten kriechen.

Übrigens wird auch in dem Schweizer Schmetterlingsbuch, Band 3, von einem Fund der Bärenraupe an Huflattich und Pestwurz berichtet. Aber so richtig genau wird das kaum wo dargestellt. Dabei ist es eigentlich extrem easy zu finden und zu beobachten!

Das Brunntal ist noch ein schönes Stück von Weichselboden entfernt, eher näher noch bei Wildalpen. Auf jeden Fall das größte und breiteste Tal am Nordfuß des Hochschwabs. Sehr eindrucksvoll, wenn man unter den beiderseits fast senkrecht hochragenden Felswänden der Massive von Riegerin und Griesstein durchwandert. Die Riegerin mit ihren nicht einmal 2000m ist sowieso ein Wahnsinnsberg, einsam und kaum begangen mit ihrem nicht ganz einfachen Zustieg, der momentan übrigens gesperrt ist. Und auf der anderen Seite gibt es canyonartige Schluchten in die senkrechten Gemäuer rein. Ich hab mich gefragt, wie viele Mauerläufer da jetzt gerade unentdeckt zu mir herunterlachen...

Gesehen hab ich nur eine Menge der allgegenwärtigen und ruffreudigen Turmfalken.

VG Wolfgang

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#4

RE: Bericht von der Chorthippus pullus-Expedition am Hochschwab

in Exkursionsberichte 24.07.2012 18:48
von Günther • 2.337 Beiträge

Hallo Wolfgang,

es hätte durchaus Interessenten gegeben, aber da Du ja dann quasi wegen des Wetters abgesagt hast, hat sich niemand mehr gemeldet.

Auf jeden Fall schöne Eindrücke - die Berge sind einfach das Schönste, was es gibt, nirgends fühlt man sich wohler! Da kann der Seewinkel wirklich Sch... gehen..!! ;-)

Ich möchte Dich noch bitten, mir per Mail die Cicindela-Koordinaten zu schicken. Zwar könnte ich vielleicht irgendwie selbst einschätzen, wo das genau war, aber es geht nichts über die exakten Daten vom Finder; höchstpersönlich!
Vielen Dank im Voraus!

LG,
Günther

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#5

RE: Bericht von der Chorthippus pullus-Expedition am Hochschwab

in Exkursionsberichte 24.07.2012 18:56
von WSW • 1.034 Beiträge

Zitat von Günther im Beitrag #4

es hätte durchaus Interessenten gegeben, aber da Du ja dann quasi wegen des Wetters abgesagt hast, hat sich niemand mehr gemeldet.

Auf jeden Fall schöne Eindrücke - die Berge sind einfach das Schönste, was es gibt, nirgends fühlt man sich wohler! Da kann der Seewinkel wirklich Sch... gehen..!! ;-)



Der Seewinkel kann schon auch was, aber eben auch nur zu ganz bestimmten Zeiten. In den Bergen ist halt dann das Zeitfenster, wo sich alles staut, auch recht kurz...

Ja stimmt, ich ließ mich selbst von diesen Hiobsbotschaften ein wenig einschüchtern, hab aber dann realisiert, dass man von der Hochschwab-Nordseite nichts gehört hat und dass es keine Straßensperren gibt. Im Gegenteil, es waren sehr wenige Kajakfahrer an der Salza und somit ungewöhnlich wenig Verkehr.

Die Koordinaten sind schon demnächst unterwegs!

VG wolfgang

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#6

RE: Bericht von der Chorthippus pullus-Expedition am Hochschwab

in Exkursionsberichte 24.07.2012 21:24
von Oli S • 135 Beiträge

Lieber Wolfgang,

gratuliere zu deinem schönen und bis "bitteren" Ende äußerst lesenswerten Beitrag. Auf Alchemilla anisicaca hätte zumindest vom Bild her auch getippt.

Und auch was du betr. pullus-Schutz in Ö schreibst, kann ich nur bekräftigen: Jedes letzte Vorkommen sollte erhalten bleiben!

Beste Grüße aus Osttirol

Oliver

P.S.: Auch meine "pulli" an der Schwarzach (s. Beitrag) waren nicht besonders attraktiv gefärbt - aber pullus ist pullus!


zuletzt bearbeitet 24.07.2012 21:24 | nach oben springen

#7

RE: Bericht von der Chorthippus pullus-Expedition am Hochschwab

in Exkursionsberichte 25.07.2012 11:24
von WSW • 1.034 Beiträge

Servus Oliver!

Zitat von Oli S im Beitrag #6
P.S.: Auch meine "pulli" an der Schwarzach (s. Beitrag) waren nicht besonders attraktiv gefärbt - aber pullus ist pullus!


Genau dasselbe habe ich mir beim Lesen deines Beitrages auch schon gedacht

Zitat von Oli S im Beitrag #6
Und auch was du betr. pullus-Schutz in Ö schreibst, kann ich nur bekräftigen: Jedes letzte Vorkommen sollte erhalten bleiben!


Diese Erkenntnis ist anscheinend nicht neu und wird von jedem gemacht, der dieses Tier an seinen ursprünglichen, besonderen Habitaten erlebt. Schon Schwarz-Waubke schrieb als Resumee in ihrem Artikel über die Habitatwahl von Ch. pullus bereits ganz Ähnliches (S 601-620):

Artikel von Schwarz-Waubke

Was ich jetzt noch hinzufügen möchte, ist, dass sich viele der noch bestehenden Vorkommen in Ö nicht mehr im Optimalzustand befinden, ja manchmal bereits, wie gerade das Beispiel von der Schwarzach zeigt, sich unmittelbar vor dem Aus befinden. Auch das Vorkommen an der Taugl wurde ja immer wieder als eines mit Ablaufdatum beschrieben und selbst am Lech hat man ja diese Buhnen, obwohl es natürlich noch immer ein sehr ausgedehntes und recht stabiles ist.

Den Zustand der oberösterreichischen Fundorte kenne ich nicht, aber die einzigen wirklich optimalen, bislang kaum gestörten Habitate, die ich bisher gesehen habe, bleiben bislang die an der Lassing im steirisch-niederösterreichischen Grenzgebiet. Dort macht das Flüsschen an jenen Stellen noch genau das, was es will, bildet breite, sich immer wieder verändernde Umlagerungsstrecken, und der pullus reagiert dann darauf, auch mit Populationsschwankungen. Wäre ein ideales Gebiet für eine Langzeitstudie, aber auch für ein Artenschutzprogramm...

VG Wolfgang

PS: Was ist eigentlich aus dem Vorkommen bei Huben geworden, wo Bellmann 1983 sein Männchen fotografiert hat? auf Google Earth sehe ich da noch immer größere Schotterbänke, die zumindest theoretisch noch geeignet aussehen.

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#8

RE: Bericht von der Chorthippus pullus-Expedition am Hochschwab

in Exkursionsberichte 28.07.2012 11:03
von Oli S • 135 Beiträge

Lieber Wolfgang,

zu einem PS: heuer war ich noch nicht in Huben, aber letztes Jahr gemeinsam mit Franz Essl (Anf. Juli), und zwar nördlich von Huben an den Alluvionen der Isel wie auch S davon bei Unterpeischlach.

Pullus konnten wir dort nicht sehen, aber immerhin Tetrix tuerki beim Unterpeischlach. Wobei Franz und ich uns gewundert haben, warum wir dort keinen pullus sehen konnten, zumal die Standorte aus unserer Sicht passen würden ...

Derzeit kenne ich drei Populationen von pullus in Osttirol und zwar am Frauenbach bei Lavant (großes Vorkommen; siehe mein Beitrag von letztem Jahr), an der Drau bei Mittewald (große Population) und eben an der Schwarzach bei St. Jakob (kleine Population). Geeignete Standorte gebe es wohl aber noch mehrere, wenngleich einige aber bislang nichts hergaben (u.a. auch die schönen Alluvionen des Kalser Baches S Kals, von Inge Ilich überprüft).

Viele Grüße

OIiver


zuletzt bearbeitet 28.07.2012 11:03 | nach oben springen

#9

RE: Bericht von der Chorthippus pullus-Expedition am Hochschwab

in Exkursionsberichte 02.08.2012 17:30
von Thomas Z-K • 738 Beiträge

Danke Wolfgang für den herrlichen und lehrreichen Beitrag!
Ich habe Chorthippus pullus vor Jahren an einem wirklich extrem schönen und naturnahen Alpen-Wildbach kennenlernen können, am Rißbach in der Hinterriß im Tiroler Karwendl, da lebt auch Bryodemella tuberculata und Tetrix tuerki und es ist extrem anschaulich, wie sich diese Alluvionen-Spezialisten am natürlichen Gradienten einnischen. Aber auch dort sieht man - jeder Eingriff führt zum Verschwinden mal des einen, mal des anderen Spezialisten. Das ist wirklich ein sehr sensibler Lebensraum.
In Kals waren wir jetzt zwar zehn Tage, aber wir sind nicht vom Berg runter gekommen - die Kalser Alluvionen nehme ich mir nächstes Jahr vor.
Liebe Grüße
Thomas

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#10

RE: Bericht von der Chorthippus pullus-Expedition am Hochschwab

in Exkursionsberichte 20.08.2012 14:53
von WSW • 1.034 Beiträge

Sozusagen als "Abfallprodukt" der gestrigen eisentrauti-Suche habe ich auch 2 pullus-Plätze kontrolliert.

Als ersten einmal den unmittelbar benachbarten niederösterreichischen Platz. Hier das in breiten Kreisen noch unbekannte Vorkommen am nö. Lassingbachufer. Die Landesgrenze würde nach AMAP am jenseitigen Hangfuß verlaufen.



Zunächst habe ich hier so gut wie keine pullus gefunden. Erst später dann ganz am linken Rand der Vegetation, dort wird der feine Sand noch von der kaum tiefer liegenden Lassing feucht gehalten und da wollen anscheinend die Weibchen ihre Eier legen, die Männchen folgen einfach. Es hat sich hier auf 3-4 qm der Rest der Population zusammengefunden (ca. 10 Tiere) und das gesamte Verhaltensrepertoir gezeigt, übrigens habe ich diesmal auch das "Nachhüsteln" singender Männchen gesehen. Witzig dabei die haxelnden Schienenbewegungen .

Bei diesen Temperaturen wird die "Hitzesitzhaltung" gezeigt - Körper möglichst weit weg vom warmen Stein, und so müssen auch die Schienen ausgefahren werden:



Hier ist ein Männchen geräuschvoll einem Weibchen nachgelaufen (obwohl er dieses quasi um die Ecke gar nicht sehen hat können!) und hat dieses bei der Eiablage gestört, indem er aufgesprungen ist:



Eigentlich müssen doch alle diese Eier beim nächsten leichten Hochwasser allesamt fortgeschwemmt werden. Also wie das bei denen funktioniert, bleibt mir ein Rätsel...

Später bin ich auch ins Brunntal gewandert. Ich hab alle die furchtbar zerfressenen Pestwurzpflanzen wieder gesehen, leer. Aber schließlich habe ich tatsächlich noch 2 Jakobskrautbären-Raupen gefunden, darunter diese noch relativ kleine mitsamt ihren Fraßspuren:



Dieses Chorthippus-Weibchen würde tadellos für einen eisentrauti durchgehen, ist aber einfach ein brunneus:



Keine Chance hier auf eisentrauti, sämtliche Tiere waren düster dunkel gefärbt und einfach biguttulus, die klassische eisentrauti-Habitate besetzten, nämlich schütter bewachsene, etwas gestörte Bereiche am Rande des trockenen Schuttstroms.

Und hier fand man auch gar nicht so wenige locker verteilte pullus, vielleicht 15 ohne sie speziell zu suchen. So - von oben gesehen - fallen einem die Tiere normalerweise auf, wenn sie einmal abgesprungen sind:



Und von der Seite, wenn man sich auf den Boden legt :



Späte Phänologiedaten wird man sicher dort am ehesten gewinnen können, denn das Brunntal ist Nord-Süd-ausgerichtet und schon am mittleren Nachmittag fällt tiefer, kühler Schatten ein. Somit wird die Entwicklungs- und Lebensdauer später Exemplare hinausgezögert - wohl bis in den September hinein.

VG Wolfgang

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