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#1

Zehentegg: Sattelschrecken

in Beobachtungen in Österreich 19.08.2011 11:04
von WSW • 1.034 Beiträge

Hallo,

also ich war gestern in Zehentegg. Prima Bedingungen für Nachtfalter, angenehme Temperatur, trotzdem lässt die Vielfalt Ende August halt schon ziemlich nach. Vor allem um den Köder war es echt schade, es kommt da oben nahezu nichts an den Köder (diesmal auch keine Eichenschrecke). Am Leuchtturm flog einiges an, aber doch sehr viele Individuen von rel. wenigen Arten und die ganz großen Kracher waren irgendwie nicht dabei.

Aufgelockert wurde das Ganze vom Chorgesang der Sattelschrecken Ephippiger ephippiger. Hier an einem der ins Waldviertel vorgeschobenen Arealrand-Vorkommen lebt eine erstaunlich große Population auf fast 600msm!
Ich hab erst nicht gedacht, dass ich in der Nacht welche finde, habe mich dann aber doch mit der Taschenlampe auf die Suche gemacht. Sie waren erstaunlich leicht zu finden und zeigten sich recht kooperativ beim Fotografieren! Man konnte sie sogar bei der Stridulation aus kurzer Entfernung knipsen.

Star bei den Faltern war sicherlich der Spanner Selidosema plumaria. Ich konnte hier das westlichste Vorkommen nördlich der Alpen finden, in D kommt die Art gar nicht vor. Ein Blick auf die Verbreitungskarte zeigt, dass dieses Tier fast flächenscharf die prominenten Trockenrasengebiete Österreichs nachzeichnet und vor allem in dem Gebiet Mödling - Steinfeld - Leithagebirge - Hundsheimer Berge - Drösing vorkommt. Daneben auch bei Hardegg und in der Wachau.

Daneben war noch der hübsche Spanner Scotopteryx moeniata erwähnenswert, von dem ich bisher erst 1 Individuum aus Zehentegg hatte, gestern war er häufig. Und die interessante und nicht allzu häufig gefundene Karden-Sonneneule Heliothis viriplaca, die in der RL als unbeständig aufgeführt wird, in anderen Ländern jedoch nicht. Ich hab damit immerhin die 100. Noctuiden-Art in Zehentegg nach nur 2-jähriger Leuchterei geschafft und es werden sicher noch mehr werden, da ja praktisch alle Frühjahrsarten und die meisten Herbstarten noch fehlen. Ende des off-topic-Teils .

VG Wolfgang

Angefügte Bilder:
ephippiger1.jpg
ephippiger2.jpg
moeniata.jpg
selidosema_plumaria.jpg
viriplaca.jpg

zuletzt bearbeitet 19.08.2011 17:33 | nach oben springen

#2

RE: Zehentegg: Sattelschrecken

in Beobachtungen in Österreich 05.09.2012 18:37
von WSW • 1.034 Beiträge

Neues vom Arealvorposten, während sich draußen ein Herbstgewitter zusammenbraut: Ich war also vorgestern in Zehentegg ködern und leuchten und dabei habe ich auch wieder die Sattelschrecken wahrgenommen. Es scheinen heuer doch deutlich weniger unterwegs zu sein, finden kann man sie im Finstern mit der Taschenlampe aber doch wieder relativ leicht.



Gut, dass ich diesen Beitrag nicht VOR der Aktion gelesen habe, denn am Köder war diesmal deutlich besseres Aufkommen und auch am Licht noch einige Arten. Wenn auch nichts Sensationelles dabei war, so war ich doch sehr zufrieden, da ich nun mehr als 500 Schmetterlingsarten nur auf diesem einen Marmor-Steppenhang bestimmen konnte.

Bei der Weißbinden-Nelkeneule Hadena compta war es aber schon das 2. Exemplar. Für Fotozwecke setzte ich sie auf den Bergastern-Rasen, was fast ihren Tod bedeutet hätte...



Auch Tetrix tenuicornis-Larven, 1 Feldgrillen-Larve, 1M Stenobothrus lineatus und 1 Phaneroptera falcata fanden den Weg auf meinen Turm.

Noch ein paar Nachtfalter: Das sollte eine graue Form von Xestia castanea sein, war in rotbraun und grau recht hfg.



Und während ich im Vorjahr Heliothis viriplaca hatte, so habe ich dieses Exemplar am Köder nun als die erste Baumwollkapseleule Helicoverpa armigera bestimmt...



Zuletzt noch ein gelbflügeliger Zünsler, es müsste die pantropische Art Uresiphita gilvata sein, die ich dort auch schon zum 2. Mal hatte. Geht man nach dem Lepiforum, so müsste er bei uns selten sein, da fast alle Bilder dort von den Kanaren und aus Griechenland stammen. Aber mehr weiß dann wohl Werner, der nach derselben Quelle schon Raupen gefunden und durchgezüchtet hat.




VG Wolfgang

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#3

RE: Zehentegg: Sattelschrecken

in Beobachtungen in Österreich 06.09.2012 10:24
von hospiton • 2.721 Beiträge

Hallo Wolfgang!

Gut recherchiert mit dem Uresiphita gilvata! Das hat mich seinerzeit eben gewundert, weil ich die (auffälligen) Raupen - seinerzeit gab es noch keinen Buchsbaumzünsler, denen sehen sie nämlich verdammt ähnlich, wenn da nicht die andere Futterpflanzenpräferenz wäre - von mehreren Stellen kannte (Kamptal, Leithagebirge und dann eben bei "mir um die Ecke" in einem Steinbruch). Und wie Du schreibst, im Lepiforum gewann man den Eindruck, dass es sich um eine südliche Art handelt. Peter Buchner erkannte so nebenbei noch, dass die Raupen in Mitteleuropa auch etwas anders aussehen (die südlichen haben über der gelben Laterallinie eine durchgehend schwarze Linie, in Mitteleuropa ist die fleckig aufgelöst). Kann sich ja vielleicht jemand Sporen verdienen...

LG

Werner


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#4

RE: Zehentegg: Sattelschrecken

in Beobachtungen in Österreich 06.09.2012 18:15
von WSW • 1.034 Beiträge

Aha! ich habe übrigens diese Raupen auch schon gesehen - zahlreich an einer heißen Böschung der Donauuferbahn bei Grimsing am Eingang zur Wachau am 20.6.2010.

VG Wolfgang

2 Bilder von dazumals:

Angefügte Bilder:
raupe2.jpg
raupe3.jpg
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