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#1

Urfahrwänd

in Exkursionsberichte 20.07.2013 23:13
von Günther • 2.324 Beiträge

Hello!

Nur ein "kurzer" Exkursionsbericht von den Urfahrwänd, die sich am nördlichen Donauufer westlich von Linz entlang der Rohrbacher Bundesstraße dahinziehen (aufgrund der ständig direkt daneben vorbeirasenden Autos hört man so gut wie nichts). Es handelt sich dabei um steil abfallende Felswände, die nach Süden exponiert sind und demnach eine thermophile Flora und Fauna aufweisen. Leider jedoch wuchert das Gebiet immer mehr zu, großteils mit Neophyten, v.a. an der Unterkante. Das hat zur Folge, dass Smaragdeidechsen hier vermutlich nicht mehr vorkommen, dafür strotzt es nur so vor Mauereidechsen, die ein gewisser Friseur namens August Lentner hier um 1930 ausgesetzt hat. Es handelt sich dabei um die Unterart Podarcis muralis maculiventris.



An Reptilien konnte ich desweiteren eine große mumifizierte und wohl von Radfahrern überrollte Ringelnatter finden sowie die Exuvie einer adulten Äskulapnatter.

Warum ich dort aber eigentlich stehen geblieben bin, ist die Tatsache, dass ich hier beim Vorbeifahren schon oft an ein potenzielles Vorkommen von Platycleis albopunctata ssp. gedacht habe, und das wäre im Falle von grisea eines der westlichsten Vorkommen in Oberösterreich und im speziellen Fall von albopunctata albopunctata ein Erstnachweis für das Bundesland (in Salzburg wurde sie kürzlich erstmals sicher nachgewiesen, und nahe Passau in Deutschland gibt es einen einzelnen Punkt auf deutscher Seite). Und in der Tat konnte ich auch welche finden und den alles entscheidenden Genitalapparat eines Weibchens fotografieren (wobei die Unterscheidung auch anhand der Titillatoren der Männchen möglich ist).
Zuhause angekommen sah ich dann, dass es von dort schon einige Nachweise von grisea gibt, und ich bilde mir ein, auch schon irgendwo gelesen zu haben, dass es ganz sicher grisea ist, die von Osten bis Linz vordringt. Doch sei es wie es sei, ich stelle die Subgenitalplatte mal hier rein. Im Schweizer Forum hab ich bereits gefragt, wofür man das halten könnte, denn Florin hat sich dort schon in vorbildlicher Weise mit der Unterscheidung der beiden Unterarten befasst. Ist wirklich äußerst schwierig! Die Gesänge dürften kein Unterscheidungsmerkmal sein. Er sagt, es ist grisea - das passt auch zu meiner Vermutung (v.a. wegen der deutlichen Verwachsung des Seitensklerits mit der Subgenitalplatte).





Hier noch der Lebensraum dort:



Ansonsten sind noch Phaneroptera falcata-Larven im letzten Stadium zu erwähnen und eine weibliche Leptophyes albovittata, sonst keine Auffälligkeiten.

Desweiteren konnte ich hier endlich, nach fast schon jahrzehntelanger Hoffnung, meinen ersten Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata) sehen, allerdings nur als überfahrene Leiche. Für mich einer der schönsten Falter, die es gibt (neben dem Oleanderschwärmer Daphnis nerii!). Das größte Highlight für mich war allerdings zur Abwechslung mal ein Tagfalter, nämlich Scolitantides orion, der Fetthennen-Bläuling. Den kannte ich vorher nicht, und in Ermangelung an Literatur hier bin ich auf Wikipedia auf die Lebensraumbeschreibung "Steile Felswände an Flüssen" gestoßen - und das passt natürlich perfekt. Im Lepiforum ist netterweise ein Bild von einem Individuum enthalten, das von einem gewissen WSW auf einem gewissen "Mount Beef" geschossen wurde, was mich natürlich gleich wiedermal sehr gefreut hat;-). Von Puchenau (das ist der nächste Ort nach Linz) gibt es in der Zobodat nur einen Nachweis von 1917, der Falter hat aber viele Nachweise im oberösterreichischen Donautal, wenngleich viele davon schon älteren Datums sind. Kann mir vielleicht jemand von den Schmetterlingsleuten sagen, ob jemand, und wenn ja, wer, Interesse an diesem Fund haben könnte?



Und was ist das für einer? Wohl irgendein Polyommatus?



Obwohl ich hier dringend anderes zu tun habe, kann ich einfach nicht anders und werde wohl morgen zu einer ganz ähnlichen Stelle wie die Urfahrwänd fahren, ca. 12 km weiter nordwestlich (namens "Saurüssel"). Letztes Jahr fand ich dort keine Platycleis, aber ich bin mir sicher, dass die dort irgendwo rumsitzt! Sollte sich was finden, werde ich berichten.


LG,
Günther


zuletzt bearbeitet 21.07.2013 00:21 | nach oben springen

#2

RE: Urfahrwänd

in Exkursionsberichte 21.07.2013 11:49
von WSW • 1.034 Beiträge

Spannende Fragestellung! Glaub aber nicht, dass ich da mitreden kann und der Werner dürfte wieder mal auf Urlaub sein (kann ihn nur beneiden drum). Somit würd ich Florins Conclusio eins zu eins übernehmen .

Ja, dieser WSW hat sogar 2 Bilder dort beigesteuert. Während der orion in der Wachau und sicherlich auch an der Thermenlinie, Hundsheimer Berge usw. gewissermaßen eigentlich wirklich ein Schlatz ist (aus faunistischer Sicht, muss man ehrlich sagen, ein Massenviech), haben die Kollegen in D herzlich wenig davon und mussten daher auf meine Bilder zurückgreifen .

Direkt angeboten habe ich die glaube ich nicht.

In OÖ wird er lokal an Felsbiotopen entlang der Donau sicherlich da und dort vorkommen, ist aber weitaus seltener als bereits z.B. hier im Nibelungengau. In irgendeine Datenbank sollte der Fund jedenfalls rein, was da in OÖ in Frage kommt, hab ich leider k.A. ZOBODAT?

VG Wolfgang

edit: Der 2. Bläuling ist Polyommatus icarus, der Gemeine Bläuling - der ist ein echter S..... - aber hübsch,


zuletzt bearbeitet 21.07.2013 11:52 | nach oben springen

#3

RE: Urfahrwänd

in Exkursionsberichte 21.07.2013 21:39
von hospiton • 2.701 Beiträge

Hallo!

Ich sehe da auch eine grisea und

Zitat von WSW im Beitrag #2
...und der Werner dürfte wieder mal auf Urlaub sein (kann ihn nur beneiden drum)
Fast, war ja als vertretender Korrespondent in Ritzing, da unser Haupt-Presse-Attaché im Mühlviertel weilte...Also Arbeits-Urlaub !

LG

Werner


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