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#1

Suche nach Chorthippus eisentrauti in Niederösterreich

in Bestimmungsfragen 19.08.2012 22:12
von WSW • 1.034 Beiträge

Guten Abend!

Gestern habe ich erfahren, dass seit letztem Herbst Ch. eisentrauti nur noch wenige km vor NÖ steht. Nähere Details bleiben aus meiner Sicht besser geheim...

Ich bin mit meiner neu erworbenen Bestimmungssicherheit in dieser Frage heute unverzüglich losgedüst. Wenige 100m innerhalb der Landesgrenze hatte ich da ein bestimmtes Habitat im Hinterkopf:



Südlage an einem steilen Kalkhang. Der Schuttkegel wurde hier ausgebaggert und ein Schutthügel blieb links stehen, spärlich bewachsen, leicht ruderal beeinflusst. Dort hatte es heute um die 50° in der Sonne. Ich stieg aus dem Wagen und näherte mich die 200m. Schon hörte ich biguttulus-Gesänge, tw. auffallend metallisch!

Und nachdem ich den Gesang dieses Männchens aufgenommen und es fotografiert hatte, rief ich Günther an und meinte, ich hätte den eisentrauti zu 99+ %. Ich bräuchte nur mehr einen zu fangen...



Die Abdomen-Färbung macht einem eisentrauti alle Ehre. Hier noch die Färbung der Schienen zu sehen:



Und ein Flügelausschnitt mit einem Teil des Subcostalfelds - scheint halbwegs parallel zu verlaufen und läuft vorne bereits zusammen.



Um es kurz zu machen: Bei der Hitze hab ich keinen der bunten erwischt. Irgendwann waren die alle verschwunden, übrig blieben die vielen biguttulus, die auch in der Almwiese unten sitzen, von denen fing ich dann ein paar. Hab also den Sack nicht zumachen können

Hier noch ein weiterer Kandidat:



Auch hier scheint das Subcostalfeld annähernd parallel zu sein und nicht diese biguttulus-Wampn durch den deutlichen Radiusschwung zu haben. Aber ich habe eben kein Bild von der ganzen Subcosta.



Zuletzt noch eine Subcosta von einem typischen bigu mit Wampn:



Fazit: Ob ich da nun einen eisentrauti dabei hatte, weiß ich nicht (wäre gespannt auf Kommentare). Jedenfalls sollte man im alpinen NÖ dennoch in geeigneten Habitaten mit biguttulus-Gesängen die Augen offen halten, es könnte sich vll. auszahlen...
Netz mitnehmen nicht vergessen!!!

VG Wolfgang


Dateianlage:
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#2

RE: Suche nach Chorthippus eisentrauti in Niederösterreich

in Bestimmungsfragen 19.08.2012 22:40
von hospiton • 2.721 Beiträge

Hallo Wolfgang!

Na, Du willst ja alle Rekorde brechen, gut so ! Interessanter- oder zufälligerweise schmökerte ich heute so "zur Weiterbildung" diverse Bestimmungsschlüssel, u. A. auch die Abtrennung dieser beiden Arten! So sind meine Stellungnahmen nur theoretischer Natur: Flügelschnitt und Subcostalfeld sehen bilderbuchmäßig aus, mein einziger "Störfaktor" ist das relativ breite Subcostalfeld, aber wir wissen zu wenig über die Variationsbreite, schließlich ist die Schweiz doch weit weg ! Und immerhin ist es durchwegs schmaler als das Subcostalfeld! Meinen (unbedeutenden) Segen haben die Viecher...!

LG

Werner


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#3

RE: Suche nach Chorthippus eisentrauti in Niederösterreich

in Bestimmungsfragen 21.08.2012 13:29
von Toni • 490 Beiträge

Hallo Wolfgang!

Das Nachweisen von Ch. eisentrauti ist aus zwei Gründen schwierig.

1. Die Habitate sind unszugäglich und sehr steil.
2. Am Rand der Habitate scheint es zu Mischpopulationen zu kommen.
Hier gibt es offensichtlich Hybride.

Befunde anhand deines Bildmaterials.

Bild 1 bis 3 entsprechen +/- den cf. eisentrauti-Tieren, die ich in der Steiermark gesehen habe.
Das Habitat am Foto scheint mir nicht so typisch für eisentrauti zu sein.
D. h. hier kommt vielleicht auch biguttulus vor.

In den ganz steilen kurzrasigen Felsrasen auf Fels findet man nur Ch. eisentrauti. Diese Populationen unterscheiden sich ganz eindeutig von den klassischen biguttulus vor allem auch im Gesang. Dauer des Gesangs bei eisentrauti 1,5 bis knapp 2 Sek. Biguttulus > 2 Sek.


LG, Toin

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#4

RE: Suche nach Chorthippus eisentrauti in Niederösterreich

in Bestimmungsfragen 21.08.2012 20:56
von WSW • 1.034 Beiträge

Servus Toni!

Freut mich, dass du damit meine Einschätzungen im großen und ganzen bestätigst. Richtige eisentrauti (im Sinne von einem Erstnachweis für NÖ) werden trotzdem nicht daraus.

Hier der entsprechende Ausschnitt aus einem mail-Verkehr mit Günther:

eisentrauti klassisch: vorderer Teil geht kontinierlich auseinander bis zu einer leichten Ecke im mittleren Teil. Von dort geht es dann mehr oder weniger parallel weiter, allerdings zeigen die letzten beiden ganzen Zellen meist noch einmal eine leichte Aufweitung
eisentrauti Abweichung: Jenes Tier, das ich am Dobratsch ohne Blitzautomatik fotografiert habe, hat diese Aufweitung nicht, der gesamte hintere Verlauf entspricht ziemlich den Tieren von der Taleralm

biguttulus klassisch: vorderer Teil anfangs ziemlich geschlossen, erweitert sich dann rasch und stark zu diesem Radialschwung, der die von mir Wampn genannte Zone bildet, dann wird das Subcostalfeld sogar wieder leicht, aber deutlich SCHMÄLER (s. letztes Bild im Forum).

Fazit: Richtig daneben liegen die beiden Tiere nicht, noch dazu, wo sie von der Färbung passen. Allerdings schreiben die Schweizer, dass diese leichten Dinge in der Aderung gerade in der Übergangszone variabel sind, folgedessen für eine eindeutige Bestimmung dort weniger zu gebrauchen sind. Man sollte mehr auf den Gesang gehen. Der Gesang hat sich bei dem aufgenommenen Tier metallischer angehört als bei den anderen. Noch dazu hat der diese kurze Vorstrophe gebracht, die ich bisher nur bei eisentrauti aufgenommen habe (lt. den Schweizern aber bei beiden vorkommen soll). Aber - und jetzt kommt´s: die Länge der Verse entspricht nicht den von mir beobachteten eisentrautis, sondern ist etwas länger. Die Verse des eisentrautis klingen gleichartiger, während die von der Taleralm innerhalb eines Verses bez. Lautstärke und Frequenz deutlich ansteigen. ---> spricht eindeutig für biguttulus. Möglicherweise haben aber Populationen in den Alpen an solchen heißen, felsigen Stellen bereits Introgressionen von eisentrauti?


Mit den Habitaten ist es so, dass ich mir eines ausgesucht habe, das den Habitaten aus dem Tremalzopass-Gebiet und mit Einschränkungen auch dem Dobratsch-Vorkommen entspricht. Dort sind es einfach anthropogen beeinflusste, heiße Straßenböschungen mit Kalkschutt.

Vielleicht ist es aber bei uns so, dass in diesen Bereichen die biguttulus sitzen und eisentrauti sich nur auf entlegenen Felsstandorten ansiedeln konnte?


Jedenfalls ist eisentrauti eine recht schwierig anzusprechende Species, wo Erfahrung dazugehört und vor allem: Der Gesang muss genau analysiert werden. Zum Beispiel unterscheiden sich alticola rammei und alticola alticola insgesamt viel deutlicher!

VG Wolfgang


zuletzt bearbeitet 21.08.2012 20:58 | nach oben springen


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