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#1

Westliches Tirol, Engadin, Kärnten

in Beobachtungen in Österreich 25.08.2011 21:53
von WSW • 1.034 Beiträge

Guten Abend!

Bin von meinen paar Tagen Urlaub wieder zurück, irgendwie standen diese 5 Tage im Zeichen der Heuschrecken .

Ich habe eine Unmenge von Bildern geschossen, werde mich aber nur auf ein paar repräsentative beschränken und außerdem den Bericht in Teile gliedern.
Also nun Teil 1: westliches Tirol.

Wir machten Station in Fiss im Oberinntal. Gemeinsam mit Serfaus und Ladis liegt es in gut 1400m Höhe auf einer sonnigen Terrasse hoch überm Inntal. Das Oberinntal gilt ja als klassisches inneralpines Trockental, bekannt ist z.B. der Fließer Sonnenhang. Demzufolge gestaltet sich auch die Orthopterenfauna, eigentlich handelt es sich um einen echten österreichischen Hotspot. Familienbedingt hatte ich nicht die Zeit auf Vollständigkeit zu schauen, wie Günther aber richtig bemerkt hat, galt es, einige echte Raritäten zu suchen. Erleichtert wurde das durch die Gratisbenützung sämtlicher Gondelbahnen für Besucher, die sich im Ort einquartiert haben - sehr praktisch.

Also ich bin gleich am 21. mit der Schönjochbahn hoch und war voller Erwartungen! Bei der Bergstation rechts raus und nach 3 min war man im Habitat...

Die erste neue Art war gleich einmal Bohemanella frigida, die dort in ziemlichen Mengen vorkam:



Man musste allerdings aufpassen, denn auch Podisma pedestris kam in dieser Höhe (über 2400m) vor, allerdings nur an dieser Stelle.



Bald vernahm ich auch den vertrauten Gesang von Gomphocerus sibiricus, wenn auch hier nicht "in einem stillen Hochalpental". Das beste Bild gelang mir aber etwas später auf einem anderen Hügel - auf Kuhfladen .



Die Art war im Gebiet die höchststeigende mit schließlich 2650m am Hinteren Sattelkopf.

Überraschend unter den höchststeigenden Arten und stets mit den boreoalpinen vergesellschaftet war Stenobothrus lineatus. Das höchste singende Männchen hatte ich auf 2500m!



Nach einigem Suchen fand ich aber IHN endlich - den ersten Aeropedellus variegatus! Diese Art ist erst im letzten Jahr neu für Österreich am Schönjöchl entdeckt worden - Gratulation dem Finder! Denn leicht zu finden war er für mich nicht. Die Art kommt nur an einem kleinen eng begrenzten Areal vor und ist auch dort keineswegs häufig. Man muss also schon suchen und einen windigen Tag darf man nicht erwischen. Der feine Gesang, ein kurzes Surren, ist nur selten zu hören und durch die diversen Nebengeräusche leicht zu überhören.

Hier ein Männchen, wie es Bellmann beschreibt:



Aber es gibt auch sehr schöne grüne Exemplare:



Und ein Weibchen:



Ich habe anschließend noch 3 weitere Bergspitzen abgeklappert, um ev. einen neuen Quadranten für die Art zu holen, aber ohne Erfolg. Die Art stellt ziemliche Ansprüche ans Habitat. Schütterer trockener Grasbewuchs in der Loiseleuria-Heide, gemischt mit einigen Steinen ist vonnöten, mit nicht zu starker Hangneigung und außerdem mit einer gewissen Mindestfläche. So eine Stelle habe ich sonst nirgends mehr gefunden, auch nicht bei Serfaus.

In den unteren Lagen, vom Ort bis zur Mittelstation gibt es zahlreiche weitere Arten. Sehr häufig ist z.B. Arcyptera fusca, in nassen Wollgraswiesen mit Chorthippus montanus ebenso wie in fetten Bergmähdern. Steigt bis auf 1800m.



Stethophyma grossum steigt übrigens auf gut 1500m, Omocestus viridulus auf knapp 2600m.

Hier noch ein Bild der Fundstelle der boreoalpinen, es war nicht leicht, einen Ausschnitt mit Naturnähe zwischen den Gondelbahnen, Schipisten, Touristen etc. zu bekommen...



Am 22. machte ich einen Abstecher zum Arlberg. Dort hatte ich mit Anonconotus alpinus noch vom Vorjahr her ein Hühnchen zu rupfen. Mit Gerhard Rotheneder hatte ich dort einen halben Tag vergeblich gesucht. Diesmal bin ich mit den Angaben von Thomas (danke!!!) zur Ulmer Hütte angestiegen. Hab aber vorerst vergeblich gesucht und bin weglos nach links gequert, weil dort weniger Weidedruck war. Es war in der steilen Leiten extrem anstrengend und schweißtreibend. Erst weiter oben in Sichtweite der Hütte fand ich einen kleinen Hügel, der an seiner steilen Flanke ungestörte grasige Vegetation trug. Und hier fand ich die gesuchte Art auf etwa 50qm!
Ich gebe zu, dass ich nach der Tortur und diesem Glück, die winzige Stelle gefunden zu haben, einen Jubelschrei abgelassen habe .

Anonconotus alpinus ist übrigens eine der schönsten Heuschrecken, die ich je gesehen habe, es hat sich also gelohnt.

Habitat (Fundstelle im Vordergrund):



Männchen:



Weibchen:



Soweit Teil 1.

VG Wolfgang


zuletzt bearbeitet 27.08.2011 09:37 | nach oben springen

#2

RE: Westliches Tirol, Engadin, Kärnten

in Beobachtungen in Österreich 26.08.2011 08:05
von WSW • 1.034 Beiträge

Jetzt Teil 2:

Am 23. machten wir nachmitags eine Kurzbesichtigung im Engadin. Man kommt in eine andere Welt - vom touristisch total erschlossenen, animationsverseuchten österreichischen Oberinntal in das geradezu rückständig anmutende schweizerische Inntal. Verlässt man die Hauptstraße, so gelangt man weiter oben in malerische Dörfer mit schmalen gepflasterten Gässchen, wo aber das Geld für eine Renovierung der schönen ornamentverzierten Fassaden zu fehlen scheint...

Der Charakter des inneralpinen Trockentals wird hier noch verschärft: riesige Südhänge mit Xerothermvegetation bieten vielen Heuschreckenarten Lebensraum. Hier ein Hang bei Sent:



Und eine dürre Schafweide:



An Arten sind mir noch in Erinnerung: Stauroderus scalaris, Oedipoda caerulescens, Arcyptera fusca, Omocestus rufipes, Stenobothrus lineatus, Chorthippus apricarius. Den Rest hab ich mir nicht gemerkt, aber dort braucht man ja nicht mehr zu kartieren .

Durch die Hitze waren die Tiere dort schon ziemlich abgeflogen,



Beim Zurückfahren haben wir uns noch Habitate am Inn angesehen. Gegenüber der kleinen Ortschaft Strada gleich oberhalb des Grenzortes Martina zeigt der Inn noch ordentliche Gebirgsflussdynamik:



Da findet man auch die Kultart derartiger Lebensräume: die Deutsche Tamariske Myricaria germanica, die früher einmal auch an der niederösterreichischen Donau vorkam, die ich aber bisher nur vom Tiroler lech kannte.



Ich habe nur eine Senke mit feuchtem Sand und schütterer grasiger Vegetation gefunden, wo es für Tetrix tuerki passte (an trockenen Kieswegen würde ich die nie suchen), und dort fand ich auch 2 Adulttiere, darunter dieses besonders schöne Exemplar:





Es waren übrigens die einzigen Tetrix der ganzen Reise.
Chorthippus pullus war weiter verbreitet, aber (jahreszeitbedingt?) nicht mehr besonders häufig.



Auf österreichischer Seite weiß ich nicht, ob derartige Lebensräume am Inn noch irgendwo existieren, aufgefallen sind mir keine. Ja, wenn man ein paar Kernkraftwerke baut, kann man sich im Gegenzug Tetrix tuerki und Chorthippus pullus leisten...

Soviel mal zum Engadin und Teil 2. Kärnten als Teil 3 kommt später.


zuletzt bearbeitet 27.08.2011 10:40 | nach oben springen

#3

RE: Westliches Tirol, Engadin, Kärnten

in Beobachtungen in Österreich 26.08.2011 08:53
von hospiton • 2.720 Beiträge

Hallo Wolfgang!

Bin sprachlos! Wieder ein Beitrag mit Genussfaktor! Verblüffend auch Deine Beobachtung von Arcyptera fusca in Wollgraswiesen vergesellschaftet mit Ch. montanus!

LG

Werner

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#4

RE: Westliches Tirol, Engadin, Kärnten

in Beobachtungen in Österreich 26.08.2011 10:23
von WSW • 1.034 Beiträge

Hallo Werner,

freut mich, wenn´s Genussfaktor bringt! Persönlich habe ich ja noch nie so viele elitäre Heuschrecken gesehen, wie in diesen paar Tagen. Und der Aeropedellus-Platz wär sogar was für dich - ein paar fast steigungslose Wegmeter von der Bergstation, ausgeschildert sogar für Behinderte, eifrig benutzt auch von Hochbetagten . Eine unglaubliche Auflage für Heuschrecken-Twitcher...

Ja, für unsereins ist das mit der Arcyptera dort schon ein Wahnsinn, die sind überall. Kann mich noch erinnern, wie der HMB gegen die Aufnahme der Art in die nö. Artenschutzverordnung votiert hat, da die für nix steht. Jetzt kann ich ihn verstehen...
Obwohl die Situation in NÖ doch anders ist.

Okay, ich bring den 3. und letzten Teil trotz Kopfweh jetzt hinter mich - und es warten ja noch einige Highlights...

Am 24. sind wir über Brenner und Pustertal weiter nach Osttirol und Kärnten. Zu Südtirol gibt´s nur zu sagen: Wenn das noch zu Österreich gehören würde, dann müsste die Artenzahl um einiges höher sein. Es wäre etwa so, wie wenn Italien der Schweiz den Tessin wegnimmt. Osttirol haben wir auch nicht behandelt, denn da ist Oliver Stöhr ja erfolgreich tätig, sieht aber auch gut aus.

Das RaptorMigrationCamp in Arnoldstein mussten wir auch schweren Herzens sausen lassen, das geht sich einfach nicht aus. Mein Ziel war die schon einmal genannte Kranzwand! Bei 33° machte ich mich von Oberschütt aus auf. ich nahm die Forststraße direkt zur Kranzwand hin. Und bei den ersten sonnigen Kehren, als die Steigung zunahm, hörte ich schon biguttulus-artige Gesänge! Alle diese Grashüpfer hatten dieselbe Grundfärbung: braungrau mit leuchtend orangem Popsch und ebensolchen Hinterschienen, die Hinterschenkel in derselben Farbe getönt. Wenn das nichts zu bedeuten hatte!

Ich habe zahlreiche Fotos gemacht, da die Tiere aber überall gleich aussahen, habe ich mir die eigentliche Kranzwand dann gespart bei der Hitze. Wenn dort Chorthippus eisentrauti sitzt, dann sitzt er hier überall! ich war mir also wie gesagt unsicher, doch zu Hause nach Literaturstudium stelle ich fest: Meine Bilder zeigen durchwegs eisentrauti!

Hier die schönsten:

Ein perfektes Männchen:



Und hier beim Stridulieren. Ich hab keinen Unterschied gehört, aber man muss Zahl und Länge der Strophen studieren...



Ich lag bei diesen Bildern am Boden, Kinn auf der Straße, um mit dem Körperschatten unter den Heuschreck zu kommen. wenn man sich vorstellt, dass das dort alles perfektes ammodytes-Habitat ist...

Ein Weibchen:



Sonst waren hier auch Ch. brunneus (vereinzelt), Psophus stridulus, Oedipoda caerulescens, Platycleis grisea und einige andere häufigere Arten zu finden. Besonders gefreut hab ich mich über einen Stenobothrus rubicundulus, auch wenn´s nur ein Weibchen war. Der erste seit vielen Jahren.



Also den eisentrauti holt man sich dort relativ leicht und ich gehe davon aus, dass er in der Schütt weiter verbreitet sein muss.

Am nächsten Morgen ging´s ins Haider´sche Bärental (dort gibt´s jetzt auch eine Gedenkstätte). Vom Parkplatz aus bei 1150m stieg ich zur Klagenfurter Hütte und weiter auf den Kosiak, der einen der größten Südhänge in den Südalpen Kärntens hat. Ich fand zunächst einmal überhaupt nichts, die Alm am Fuß des Kosiak war nahezu heuschreckenleer, da intensivst beweidet. Dann kamen etliche Omocestus viridulus und Höhenformen von Ch. parallelus, über die ich mich bei Gelegenheit noch auslassen werde.

Erst weiter oben im steilen Teil des Hangs traf ich auf eine Geröllhalde, die von intakten höheren Rasen gesäumt wurde. Da wurde es interessant...





Hier traf ich endlich auf Chorthippus alticola rammei, Wenn man ihn sieht, weiß man: Er ist´s. Und keine parallelus-Höhenform.



Hier Einzeltöne fabrizierend. Den Gesang hab ich kurz darauf hier auch gehört, ein Mittelding zwischen parallelus und sibiricus, würd ich sagen.



Hier eine andere Farbform:



Und ein Weibchen, die einem parallelus schon sehr ähnlich sehen:



Weiter unten auf gut 1600m noch dieser biguttulus, war zur Beruhigung für mich wegen des eisentrauti :



Aus Zeitgründen musste ich auf den Gipfel verzichten (keine Ahnung, was da oben noch gewartet hätte). Nach einer Stärkung beim Auto habe ich um Mittag noch gemeint, ich schau mir die Geröllhalde gegenüber vom Parkplatz an, schaut zwar nach NO, aber...
Ich hatte dort früher schöne Bestände von Lilium carniolicum gesehen und der Krainer Kreuzdorn Rhamnus fallax wächst da massenhaft. Aber auf der Halde war es glühend heiß!

2 Bilder, um einen Eindruck zu gewinnen vom Habitat und vo der Schinderei, da raufzukommen:





Bei den Rhamnus-Büschen hörte ich im Detektor ständige kurze "MG-Salven", konnte aber vorerst nichts finden. Dafür fand ich alticola hier bereits ab 1200m! Erstaunlich, hätte also nicht auif den Kosiak müssen.

Neben Ch. brunneus und Ph. aptera entdeckte ich die langflügeligsten Miramella, die ich bisher sah. Keine Ahnung, was das ist...





Bin dann auf die Idee gekommen, auch die Petasites paradoxus-Fluren mit den Füßen abzustreifen, da auch hier der Detektor diese Laute von sich gab, und wirklich - es sprangen graue Heuschrecken-Weibchen hervor! Es sollte Antaxius difformis gewesen sein! Dieses Weibchen habe ich offenbar bei der Eiablage gestört:



Aber sie sind extrem schwer zu fotografieren, da sie sich blitzschnell in dem Geröll verstecken. Meine Suche nach Männchen wurde schließlich 2mal von Erfolg gekrönt, aber ich glaubte, es sei Pholidoptera fallax und da die noch flinker sind, hab ich nun nicht einmal ein Belegfoto. Wegen Zeitdrucks habe ich mich auch nicht mehr sehr angestrengt - ein fauxpas. Werde da wohl noch einmal hinmüssen....

Ja und das war´s - Schluss von Teil 3 und überhaupt .

VG Wolfgang

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#5

RE: Westliches Tirol, Engadin, Kärnten

in Beobachtungen in Österreich 26.08.2011 10:37
von hospiton • 2.720 Beiträge

Zitat von WSW
...wär sogar was für dich...sogar für Behinderte...von Hochbetagten .

!!!!!!

Zitat von WSW
..Ich lag bei diesen Bildern am Boden, Kinn auf der Straße

Schade, dass es keine Fotos davon gibt !!!

Lob auch für Teil 3, das Schwitzen hat sich also ausgezahlt!!! Danke!

Lg

Werner

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#6

RE: Westliches Tirol, Engadin, Kärnten

in Beobachtungen in Österreich 26.08.2011 18:05
von Günther • 2.336 Beiträge

Hallo Wolfgang,

auf von mir herzlichste Gratulation zu diesen phantastischen Sichtungen!!
Die tuerki ist wirklich ganz wunderbar an den Untergrund angepasst, einfach herrlich anzuschauen!

Da sieht man wiedermal, was in Tirol alles zu holen ist. Wenn man bedenkt, wie wenig untersucht dieses Bundesland vergleichsweise ist, kann man sich ausmalen, was man da noch alles an Sahnehäubchen entdecken kann! Nächstes Jahr wird´s dann wohl 1 Woche Tirol werden...

Viele Grüße,
Günther

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#7

RE: Westliches Tirol, Engadin, Kärnten

in Beobachtungen in Österreich 26.08.2011 23:10
von Thomas Z-K • 738 Beiträge

Lieber Wolfgang!

Wunderbar - einer der wichtigsten und spannendsten Beiträge der heurigen Saison! Meines Wissens erst der zweite Besuch eines Heuschreckenkundlers beim Aeropedellus und die Fotos dazu spitzenmäßig! Super auch die alticola-Dokumentation! Die Tiere sind wirklich sehr speziell und das Hölzel-Merkmal (Halsschildkiele bei parallelus wenig, bei alticola stark gekielt) sieht man da sehr gut! Dazu Antaxius difformis(!) - von der gibt es erst sechs bekannte Datensätze aus Österreich! Und eisentrauti! (darf ich die Fotos in die Artenliste stellen?) Und die Miramella sollte wohl irena sein (wenn auch Toni ein Genital verlangen würde). Und ein Stenobothrus lineatus auf 2500 m ist erst sechsmal gelungen (Tirol und Kärnten in den 1940er und 1990er Jahren, Rekord ist 2600 m bei Sölden und am Großglockner). Und der Inn bei Martina war glaub ich einer der letzten Fundpunkte der Epacromius tergestinus in den Ostalpen - sieht j immer noch danach aus!

Ich hoffe Du kommst diesmal doch dazu, uns eine ausführlichere Liste dieser Tour in weitaus schwächer besuchte Gegenden als aus Ostösterreich für den Atlas zusammenzuschreiben, da ist doch einiges an neuen Punkten, Höhenverteilungen etc. dabei!

Liebe Grüße
Thomas

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#8

RE: Westliches Tirol, Engadin, Kärnten

in Beobachtungen in Österreich 27.08.2011 09:19
von WSW • 1.034 Beiträge

Guten Morgen!

Zitat von hospiton
Schade, dass es keine Fotos davon gibt


Ich war absolut einsam dort oben bei der Hitze im Gegensatz zum Schönjöchl (Schweizer fragten mich z.B. dort, ob ich eine Brille verloren hätte ), gemeinsam mit eisentrauti & Co. und den Vipern, die mich wahrscheinlich aus ihren schattigen Versteckplätzen musterten. Hab ich genossen!


Zitat von Günther
Da sieht man wiedermal, was in Tirol alles zu holen ist. Wenn man bedenkt, wie wenig untersucht dieses Bundesland vergleichsweise ist, kann man sich ausmalen, was man da noch alles an Sahnehäubchen entdecken kann! Nächstes Jahr wird´s dann wohl 1 Woche Tirol werden...


Nur zu, genaue Infos zu den Fundpunkten der speziellen Arten können von Interessenten jederzeit bei mir angefragt werden!
Ich denke mal, dass sich gerade bei Aeropedellus noch einige Raster machen lassen sollten. Da auch in Graubünden die Art hauptsächlich südlich des Inns gefunden wird, lachen mich da vor allem die Berge um Nauders und nördlich davon an. Vielfach dürften da aber sehr harte Bergtouren ohne Gondelbahn in Verbindung mit zweifelhafter Erfolgsaussicht nötig sein. Eher für die jüngere Generation geeignet ...


Zitat von Thomas Z-K

Super auch die alticola-Dokumentation! Die Tiere sind wirklich sehr speziell und das Hölzel-Merkmal (Halsschildkiele bei parallelus wenig, bei alticola stark gekielt) sieht man da sehr gut!


Ja genau, die winkligen Halsschildseitenkiele waren sehr auffällig und auch recht konstant, obwohl Bellmann das Gegenteil behauptet. Als 2. hartes Merkmal kommen die Vorderflügelproportionen dazu, also das Verhältnis Länge zu Höhe. Der alticola hat einfach ziemlich hohe, gleichzeitig auch kurze Flügel in einer sehr konstanten Ausbildung. Die hellen gelben Hinterschienen sind auch ein zwar weiches, aber doch auch brauchbares Merkmal. Der Gesang, naja, am Anfang dachte ich, der singt auch wie parallelus, nur halt tageszeitbedingt etwas langsamer. Aber auf der Schuttflur unten haben sie in der Gluthitze genauso langsam gesungen. Mehr kratzender, anschwellender, länger.


Zitat von Thomas Z-K

Dazu Antaxius difformis(!) - von der gibt es erst sechs bekannte Datensätze aus Österreich!


Freut mich, dass ich eine derartige Rarität aus dem Stand heraus gefunden habe. War auch mein erster Fund mit Hilfe des neuen Detektors (leider hatte ich ihn bei der Anonconotus vergessen). Also in den phantastischen Schuttfluren im hinteren Bärental ist die Art extrem häufig. Wirklich schade, dass ich da physisch und psychisch schon am Ende war - und meine Frau hat auch unten schon gewunken und Druck gemacht...


Zitat von Thomas Z-K
Und eisentrauti! (darf ich die Fotos in die Artenliste stellen?)


Klar!


Zitat von Thomas Z-K
Und der Inn bei Martina war glaub ich einer der letzten Fundpunkte der Epacromius tergestinus in den Ostalpen - sieht immer noch danach aus!


Der wär mir sicherlich aufgefallen. Außerdem kann man bei den Schweizer Kollegen sicher sein, dass die dort nix übersehen haben! Mich beeindruckt da u. a. die enorme Nachweisdichte bei Aeropedellus, d. h. die haben diese harten Bergtouren tatsächlich ausgeführt, denn überall führt sicher keine Gondelbahn hinauf, wie auf diesen berühmten Muottas Muragl.


Zitat von Thomas Z-K
Ich hoffe Du kommst diesmal doch dazu, uns eine ausführlichere Liste dieser Tour in weitaus schwächer besuchte Gegenden als aus Ostösterreich für den Atlas zusammenzuschreiben, da ist doch einiges an neuen Punkten, Höhenverteilungen etc. dabei!


Leider war ich ja auch diesmal eigentlich ein Twitcher, hab wie üblich nix aufgeschrieben...
Am Anfang denkt man, das merkt man sich eh. Aber dann werden die Fundorte einfach zu viel und die häufigeren Arten vergisst man dann. Ich müsste sofort anfangen damit! Ideal wäre es gewesen, wenn ich mir vor der Fahrt die Quadrantenauszüge kommen hätte lassen!

Einen dieser interessanten Höhennachweise hätte ich noch zu bieten: Einen makropteren singenden Metrioptera roeselii auf 2500m auf der Schipiste am Zwölferkogel knapp unter der Bergstation. Der konkurriert sogar erfolgreich mit den Höhenrekorden der Schweizer!

Und einen dieser tollen grünen Bohemanellas sowie offtopics häng ich auch noch an.

Metrioptera roeselii auf 2500msm:



Bohemanella frigida Männchen am Schönjöchl:



Felsenschwalben waren in Fiss ausgesprochen häufig und fein zu beobachten. Leider keine Alpensegler (mehr?).



Und ein vermutlicher sehr schöner Charissa glaucinaria mitten im Ortszentrum von Serfaus beim Bankomaten der RAIKA.



VG Wolfgang

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#9

RE: Westliches Tirol, Engadin, Kärnten

in Beobachtungen in Österreich 27.08.2011 10:10
von Florin Rut • 269 Beiträge

Lieber Wolfgang

Wunderschöner Bericht mit haufenweisen Raritäten!

Das Unterengadin ist unter den Schweizer Heuschreckenkundlern sehr beliebt, trotzdem kommen ab und zu noch Besonderheiten an Tageslicht.
Z.B. gibt es von T. tuerki nicht viele offizielle Meldungen und unterhalb von Sent konnten wir 2008 Antaxius pedestris wieder finden, die Nadig 1971 zum letzten Mal gemeldet hat.

Leptophyes albovittata und Tettigonia caudata sind Arten, die in der Schweiz nur gerade dort vorkommen. Für unsere Heuschreckenverhältnisse immer ein spannender Ort!

LG Florin

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#10

RE: Westliches Tirol, Engadin, Kärnten

in Beobachtungen in Österreich 29.08.2011 15:12
von WSW • 1.034 Beiträge

Danke Florin, für deine Erläuterungen. Bei der dürren, steilen Weide bei Sent habe ich jede Menge Tettigonias surren gehört und natürlich an cantans gedacht. Aber wenn ich mir die Verbreitungskarte jetzt ansehe, dann war es dort höchstwahrscheinlich caudata!

Zum Glück kommt diese Art von Osten her gerade noch bis in mein Gebiet vor, ich kann´s also verkraften ...

VG Wolfgang

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