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#1

Die Suche nach Tetrix ceperoi in der Slowakei und Österreich

in Exkursionsberichte 29.05.2013 00:55
von Günther • 2.336 Beiträge
Grüß Euch,

endlich haben Markus und ich es heute Nachmittag (28.05.2013) geschafft, einen Sprung in die Slowakei zu fahren. Und zwar zu derjenigen Stelle, von der Axel Hochkirch letztes Jahr geschrieben hat, er hätte dort Tetrix ceperoi gefunden. Luftlinie vom Dreiländereck Tschechien-Slowakei-Österreich 3,7 km, mit dem Auto fährt man von der Grenze bei Hohenau ca. 8 km weit.
Es handelt sich um einen großen Baggersee nördlich von Sekule, der im Sommer als Badesee genutzt zu werden scheint. Habitatfotos kommen dann hoffentlich von Markus.
Wir fanden haufenweise subulata und tenuicornis, vereinzelt auch bolivari.



Als wir schon fast wieder umdrehen wollten, sprang Markus das hier vor die Füße:



Kein Zweifel - unsere erste Tetrix ceperoi, ein kleines Männchen!! Hier kann man halbwegs gut den verhältnismäßig scharfen Rückenkiel erkennen:



In weiterer Folge fanden wir noch drei weitere Exemplare, ich glaube, es waren alle Weibchen. Eines davon war ebenso kontrastreich gefärbt, die beiden anderen etwas unscheinbarer. Es springen hier also subulata, tenuicornis, bolivari und ceperoi syntop herum - sehr oft gibt´s das wahrscheinlich nicht (oder doch?). Das Häufigkeitsverhältnis würde ich - in derselben Reihenfolge - etwa auf 10:8:4:1 schätzen. Großen Dank an Axel!!
Als Abrundung gab´s seit Längerem wiedermal herrlich eine Zwergdommel zu beobachten.

In unserer Euphorie sind wir dann sofort noch marchabwärts zu den Drösinger Sandbergen gefahren, fanden hier an den berühmten Baggerteichen aber nur tenuicornis wie auch die erste frisch imaginalgehäutete Myrmeleotettix maculatus, natürlich die Xyas, winzige Sphingonotus-Larven, Sumpfgrillen etc. Die Uferbereiche sind hier wohl für ceperoi zu wenig gut ausgeprägt, die Fläche, auf der ich mir die Art am ehesten hätte vorstellen können, musste mittlerweile einer Baggerteich-Ausweitung weichen.

Die Suche geht also weiter, irgendwo in Österreich ist die Westliche Dornschrecke bestimmt zu finden. Schaut man sich europaweite Verbreitungskarten an, sieht man außen herum überall Fundpunkte (wenn auch vereinzelt), nur bei uns herrscht gähnende Leere. Sandige feuchte Gebiete, meist vermutlich Sekundärlebensräume wie Abbaugruben, mit einem mäßigen Grad an Vegetation sind wohl auf jeden Fall Voraussetzung für ein Vorkommen. Auftauchen kann sie überall - in Vorarlberg, Kärnten, OÖ, NÖ, dem Burgenland etc. etc. Also Augen auf!!

Viele Grüße,
Günther
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#2

RE: Die Suche nach Tetrix ceperoi in der Slowakei und Österreich

in Exkursionsberichte 29.05.2013 09:05
von hospiton • 2.720 Beiträge
Grüß euch auch, Ihr 2 "Weltmeister"!!!

Während ich mir da in meiner Mittagspause die Augen ausrenke, um eine 2. bolivari zu finden, gelingt Euch das! Gratuliere ganz herzlich, das gibt ja wieder Ansporn! Habt Ihr vielleicht auch noch eine dorsal-Ansicht machen können, der Augenabstand am letzten Bild wirkt da so weit, dafür ist der "Bergmolch-Kamm" schön zu sehen, und das "Rösti-Merkmal" mit der Fühlerlänge ist auf den beiden Vergleichsbildern bolivari/ceperoi auch schön zu sehen.

LG


Werner

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#3

RE: Die Suche nach Tetrix ceperoi in der Slowakei und Österreich

in Exkursionsberichte 30.05.2013 15:13
von Toni • 490 Beiträge
Hallo!

Ich bin mir bei den Bildern nicht sicher, ob alle 3 Beispiele Tetrix ceperoi zeigen.
Der Augenabstand von oben ist bei ceperoi wirklich sehr schmal; auf jeden Fall deutlich schmäler als bei bolivari.
Dieses wichtige Merkmal ist bei keinen der Aufnahmen gut zu erkennen.
Tier auf Bild Nr. 3 würde ich bolivari zuordnen.
Wie auch immer: Für einen sicheren Nachweis in Ö. muss T. ceperoi gesammelt werden.

LG, Toni
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#4

RE: Die Suche nach Tetrix ceperoi in der Slowakei und Österreich

in Exkursionsberichte 30.05.2013 18:18
von Markus S. • 436 Beiträge
Hallo allerseits!

Bisschen verspätet aber doch zeige ich euch noch die Habitat Fotos :)
War wirklich ein sehr spannender Tag! leider gings ja nicht so erfolgreich in Österreich weiter...wobei der Adultfund von Myrmeleotettix maculatus auch super war!

Hier das Habitatfoto von der Sandgrube in der Slowakei


Und im Vergleich dazu die Sandgrube in Drösing...


Hier hüpften leider nur T. tenuicornis herum. dafür aber sehr hübsche Individuen


Neben den Unmengen an M. maculatus - Larven und Xya´s waren auch diese Blümchen ganz nett anzuschaun....tippe auf wildes Stiefmütterchen


@Toni:
Ich weiß nicht ob du aus Günthers Bericht rausgelesen hast, dass wir die agezeigten Tiere In der Slowakei und nicht in Österreich gefunden haben.
Da wir ja T. ceperoi bisher nur in den Schaukästen im NHM begutachten konnten gehen wir mit der Bestimmung dieser Art klarer Weise übertrieben vorsichtig um! Belegtiere haben wir übrigens auch von dort mitgenommen.

Ich habe noch eine Aufsicht angehängt auf der man das von dir angesprochene Merkmal, auch bei nicht mehr so toller Auflösung, ganz gut erkennen kann.

zuerst das Original:


..und hier extrem reingezoomt:


War leider nicht so leicht anständige Fotos zu machen. Die Biester waren ziemlich flugtüchtig! Die Belegtiere könnten wir natürlich auch noch etwas besser abfotografieren und nachträglich ins Forum stellen!

Grüße, Markus

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#5

RE: Die Suche nach Tetrix ceperoi in der Slowakei und Österreich

in Exkursionsberichte 30.05.2013 19:04
von WSW • 1.034 Beiträge
Hallo!

Bin momentan weit weg vom Heuschreckenfieber (wenn ich auch vorgestern am Zelkinger Teich die Maulwurfsgrillen surren hörte - dachte im ersten Moment und in der ornithologischen Kartierungseuphorie schon an den 1. Rohrschwirl dort), möchte aber auch zu diesen schönen Beobachtungen gratulieren. Ja, Tetrix, das ist schon eine eigene Welt!

Die Bestimmungen scheinen mir schon plausibel, denn ihr - Günther und Markus - seid ja schon in den letzten Jahren beide zu "Professor Tetrix" geadelt worden und habt die Tiere sicherlich nicht leichtfertig als ceperoi benamst. Genaueres traue ich mir da aber nicht zu.

Der Grund, warum ich schreibe, ist das Veilchen. Da ich selber so blaue Ackerstiefmütterchen noch nie gesehen habe, bin ich doch neugierig geworden und habe nach langem wieder mal Adler, Oswald und Fischer hervorgekramt. Ich wurde fündig...

Unter Viola tricolor subsp. tricolor finde ich in meiner Auflage (2. verbesserte, die neueste habe ich nicht) folgende Anmerkung: "Die Populationen auf sauren Sandböden in N (an der March) wurden gelegentlich vermutungsweise als zu Dünen-Veilchen / V. t. subsp. curtisii (V. saxatilis subsp. curtisii) gehörig bezeichnet; nach aktuellem Kenntnisstand sind sie jedoch zu subsp. tricolor zu stellen. Ob es sich um eine eigenständige Sand-Sippe handelt, bleibt zu untersuchen."

Nach meinem Bauchgefühl glaube ich das sogar fast, da müsste man mal nachlesen, ob die letzte Auflage dazu schon neuere Erkenntnisse hat. Auf jeden Fall ein interessantes und sicherlich auch sehr hübsches Pflänzchen, was du da fotografiert hast!

VG Wolfgang
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#6

RE: Die Suche nach Tetrix ceperoi in der Slowakei und Österreich

in Exkursionsberichte 30.05.2013 19:55
von Günther • 2.336 Beiträge
Hallo,

das erste Bild im Ursprungsbeitrag zeigt T. bolivari, die Bilder 2 und 3 je dasselbe Tier, und zwar T. ceperoi. Ich weiß schon, was Du, Toni, mit dem schmalen Abstand meinst, aber das Merkmal ist nicht unbedingt konstant, was man erkennt, wenn man viele Bilder der Art ansieht oder Belege (Geschlechtsunterschiede!). Den scharfen Rückenkiel hat bolivari nicht, bei der ist er sogar noch flacher als bei subulata. Abgesehen davon ist bolivari nie so bunt gefärbt.


Hier für Werner die Dorsalansicht des Belegweibchens:




Frontalansicht mit scharfem Kiel:




Noch eine Totale (beachte den geschwungenen Kiel):




Schwach gebogene Legeklappen:




Viele Grüße,
Günther
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#7

RE: Die Suche nach Tetrix ceperoi in der Slowakei und Österreich

in Exkursionsberichte 31.05.2013 20:10
von Markus S. • 436 Beiträge

Hallo!

Dieser geschwungene Mittelkiel ist aus meiner Sicht das charakteristischste Merkmal für T. ceperoi. Erinnert mich ein Bisschen an langdornige T. undulata :)

@Wolfgang: Danke für Bestimmung und die spannende Info! Freut mich sehr wenn sich jemand für die Pflanzaln, die ich hin und wieder in meine Beiträge packe, begeistern kann :) Ich habe übriges die neuste Ausgabe der Exkursionsflora(Ich weiß ich häts damit auch selber bestimmen können, aber...)! Der Stand der Dinge hat sich seit damals nicht geändert. Wortwörtlich stehts auch so in meiner Ausgabe.

Grüße, Markus


zuletzt bearbeitet 31.05.2013 20:10 | nach oben springen

#8

RE: Die Suche nach Tetrix ceperoi in der Slowakei und Österreich

in Exkursionsberichte 02.06.2013 12:31
von Toni • 490 Beiträge

Danke für den tollen Beitrag!

Ohne genau die Literatur im Kopf zu haben, bin ich sehr verunsichert.
T. ceperoi-Nachweise aus Österreich zu machen, wird sicherlich nicht so einfach sein.

LG, Toni

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#9

RE: Die Suche nach Tetrix ceperoi in der Slowakei und Österreich

in Exkursionsberichte 09.06.2013 19:45
von Thomas Z-K • 738 Beiträge

Danke für die tolle Fact-finding-mission! Die Sandgruben des March-Thaya-Tales sind sicher ein heißer Kandidat für den ersten österreichischen Nachweis. Bezeichnenderweise kommt ja dieses Dünen-Stiefmütterchen auch nur in den oberen March-Thaya-Auen vor (und nirgends so häufig wie in den Waltersdorfer Sandbergen). Aber es zeigt sich wieder, dass man noch mehr Individuen durchschauen muss als bei der bolivari...
Viel Erfolg
Thomas

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#10

RE: Die Suche nach Tetrix ceperoi in der Slowakei und Österreich

in Exkursionsberichte 03.04.2014 12:31
von Günther • 2.336 Beiträge

Grüß Euch!

In den vergangenen Tagen war ich viel an der March unterwegs, um vielleicht doch irgendwo auf Tetrix ceperoi zu stoßen. Die verdächtigsten Stellen sind bei Drösing, und hier ist es besonders der Liliensee, der vom Lebensraum her recht gut passen würde: Eine Sandgrube mit ausgedehnten Flachuferbereichen, die aber in wasserreicheren Jahren großteils Land unter sein dürften (zumindest laut Luftbild).



Es war hier das gesamte Artenspektrum der March-Dornschrecken zu finden - T. tenuicornis, T. subulata und T. bolivari.


Weibchen von Tetrix bolivari

Nur ceperoi ließ sich nicht blicken, ebenso wenig an drei weiteren Sandgruben weiter westlich. Die beiden Xyas waren wider Erwarten nur an einem einzigen der Gewässer zu finden, und auch hier nur an einer winzigen Stelle des Ufers (die sich tatsächlich auf vielleicht 20x20 cm (sic!) beschränkt hat und wo die beiden Arten zu jeweils um die 10 Exemplare bunt durcheinander gemischt saßen! Bin aber zugegebenermaßen nicht das gesamte Ufer abgegangen):



Um dann wenigstens noch woanders in den Genuss der Westlichen Dornschrecke zu kommen, bin ich vorgestern Nachmittag dann noch auf die slowakische Seite nach Sekule, wo wir schon letztes Jahr auf die Art trafen. Sie lebt hier nur sehr kleinräumig auf wenigen Quadratmetern, insgesamt konnte ich 2 Weibchen und 1 Männchen finden. Man beachte die verhältnismäßig kurzen und dicken Fühler(glieder)!

Die hier ist von der Färbung her absolut klassisch:





Das Männchen hingegen war wesentlich dunkler:



Ich glaube, man braucht ceperoi nicht in allzu dynamischen Lebensräumen suchen, ein Augebiet ist sicher nicht sonderlich geeignet. Relativ konstante Wasserstände, eine gewisse Grundfeuchtigkeit und sandiges Substrat sind (zumindest in Mitteleuropa) wohl die wichtigsten Parameter. Aber das ist eigentlich eh nichts Neues;-). Wir müssen einfach suchen, suchen, suchen..........!!

Zum Abschluss noch ein schöner Tetrix-Lebensraum, in dem wie immer subulata sehr häufig ist und bolivari zumindest vereinzelt dazwischen auftaucht. Die Schrecken halten sich hier allerdings nicht am vegetationslosen und schlammigen Ufer auf, sondern in den Grasbereichen im Vordergrund!


Die Römerlacke auf den Lilienseewiesen, ein absolut traumhaftes Gebiet! Da kreisen Schwarzstörche und Adler über einem und unten springen bzw. laufen Tetrigiden und Uferläufer herum, Wasserfrösche platschen ins Wasser, das nebenbei gerammelt voll ist mit hunderten Spitzschlammschnecken, Posthörnern und was weiß ich noch allem! Viele Wasserschnecken-Häuser liegen da jetzt im austrocknenden Schlamm herum - das heurige trockene Jahr ist wohl eine gute Gelegenheit, um Wasserschnecken zu kartieren! Und das schönste ist, dass man dort einfach seine Ruhe hat. Die eine Stunde auf diesen Wiesen war seit langem die erholsamste und zufriedenste Zeit überhaupt...

Viele Grüße,
Günther


zuletzt bearbeitet 04.04.2014 00:08 | nach oben springen


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