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Guten Morgen!
Ich war am 2. September erstmalig auf dem Schnalzstein. Dieser ist aus den österreichischen Heuschreckenatlanten als Fundstelle für hochgelegene Heuschreckennachweise bekannt. Mein Hauptziel war es aber, auf dieser für niederösterreichische Verhältnisse hochgelegenen Alm eventuell Nachweise des Enzian-Ameisenbläulings zu gewinnen.
Nach einem längeren Forststraßenhatscher musste ich beim Eintreffen auf den Almflächen feststellen, dass es dort im Bereich von etwa um 1500 Meter weder Schwalbenwurz- oder Kreuzenziane noch Wollkopfkratzdisteln (für Hummeln und andere Fluginsekten) gab. Der Gipfelbereich des Schnalzsteins zeigte sich subalpin angehaucht mit herbstblühenden Exemplaren von Frühlings-Enzian und Alpennelke. Herrliche Ausblicke zu den Nachbarn Gippel und Göller untermauerten den subalpinen Charkter.
Überraschenderweise präsentierten sich die Almflächen einigermaßen grün und immer wieder fanden sich große Herden von blühenden Kranzenzianen (Gentianella cf. austriaca), die sonst auf sämtlichen braun ausgebrannten Almen der äußeren Randalpen total ausgefallen sind, was wiederum eine Katastrophe für den spätfliegenden Kranzenziantyp des Enzian-Ameisenbläulings darstellt. Hier war also der Kranzenzian zwar vorhanden, doch waren die Pflanzen durchwegs NICHT mit Eiern belegt, was bedeutet, dass er in dieser Höhenlage am Schnalzstein einfach nicht mehr vorkommt.
Aber für Heuschrecken schien das Gelände gut geeignet: Fast überall recht kurzrasig, südexponiert und stellenweise von felsigem Gelände durchsetzt. Auch Bereiche mit kleinflächigen Bürstlingsrasen waren vorhanden.
Und tatsächlich: Ich konnte an einer Stelle mit Bürstling auf 1535m sehr kleine, hüpfende (nicht fliegende!) Grashüpfer entdecken, die sich nach Kontrolle als ♀♀ von Stenobothrus stigmaticus entpuppten. Hier haben bereits 2003 H.M. Berg & S. Zelz 1♂ + 1♀ wohl auf selber Höhe entdeckt. Ich fand nach kurzer Suche immerhin 3 ♀♀, wobei ich die Art später nirgends mehr fand; sie kommt offensichtlich nur ganz kleinräumig an einer kleineren steilen Stelle mit Bürstlingsrasen vor. Möglicherweise handelt es sich hier um das höchstgelegene Vorkommen in NÖ, wenn man davon ausgeht, dass die Vorkommen im Hochwechselgebiet auf steirischer Seite liegen? Jedenfalls ist es das einzige Vorkommen in den niederösterreichischen Kalkalpen.
Etwas später - nach dem Verzehr eines guten Fleischknödelessens auf der Hofalm - ist mir dann noch ein weiterer Coup gelungen. Gleich neben einem felsigen Almweg ist plötzlich eine große Ödlandschrecke auf etwa 1485m aufgesprungen - ein ♀ von Calliptamus italicus! Hier hatte bereits J. Laber vor Jahren auf 1460m ein Exemplar entdeckt, das damals als "verflogen" eingeschätzt wurde.
Ich suchte nach weiteren Tieren, fand aber vorerst keine. Erst beim Abstieg von der Alm fand ich nach gezielter Suche im Bereich des Alm-Fahrwegs zunächst 2 Exemplare von Oedipoda caerulescens auf beachtlichen 1497m und dann doch noch 1 ♂ von C. italicus in der felsigen Wegböschung auf etwa 1493m. Die Art scheint dort doch in geringer Dichte vorzukommen.
Ansonsten sind mir noch die vielen Chorthippus albomarginatus aufgefallen, die ich zu Hause im Nibelungengau kaum einmal finde. Auf der Hofalm waren sie aber verbreitet zu finden, stärker konzentriert allerdings in langgrasigeren, etwas feuchteren Bereichen.
Ansonsten fand ich noch Psophus stridulus, Podisma pedestris (nur 1 ♀), Mecostethus parapleurus, Omocestus viridulus, Chorthippus biguttulus, Ch. brunneus, und Pseudochorthippus parallelus. Gomphocerippus rufus stellte ich erst etwas weiter unten an der Straßenböschung fest.
Das wars dann für heuer von den Heuschrecken!
VG Wolfgang
Lieber Wolfgang,
jetzt komm ich endlich dazu, Dir zu antworten.
Eine wirklich coole Fact-Finding-Mission, Calliptamus ist in solchen Gebieten immer ein toller Fund. Und wie könnte es anders sein: Wenn man ein Gebiet aufsucht und nachschaut, ob es von dort schon Daten gibt, waren fast immer HMB und SZE schon dort
- zumindest in NÖ und Kärnten...
Dieser mutmaßliche albomarginatus hat sehr viel von Ch. oschei, speziell die Flügeladerung und in Ansätzen auch die Färbung der Hinterschenkel. Wenn also wieder mal jemand dort raufkommt, freu ich mich zur Absicherung sehr über 1 oder 2 Männchen:)
LG,
Günther
Da ich den Ch. oschei aus eigener Anschauung nicht kenne und den in dieser Höhenlage auch nicht erwartet hätte, kann ich leider nix dazu sagen. Da es auch keine Hinweise für ein Vorkommen des Enzian-Ameisenbläulings gab, werde ich wohl nicht mehr dort hochmarschieren, auch wenn man dort recht gut bewirtet wird.
Ich habe noch einen 2. grünen fotografiert, leider noch schlechter als den braunen. Soweit ich auf Bildern gesehen habe, sollte der oschei kontrastreich dunklere Hinterknie haben? 
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