Ein letztes Mal noch ein Bericht aus den niederösterreichischen Rand-/Voralpen. Diese größeren, etwas abseits liegenden Hügel sind doch wohl ein wenig unzureichend erforscht, bergen aber immer wieder kleinere Überraschungen.
Ich bin gestern am Rainstock hochgestiegen. Dieser wenig bekannte, aus der Entfernung flach wirkende, bewaldete Rücken im Vorland des Ötschers ist von Gaming aus erreichbar und hat immerhin knapp 1300m Seehöhe. Ein mühsamer, durchwegs steiler Anstieg zur Gföhler Alm bleibt einem aber nicht erspart, was ich heute noch im Knie spüre
. Auf der Alm bekam ich Most und Bratlfettnbrote, dann konnte es an die Erforschung der sehr großflächigen Almgebiete gehen.

Heuschrecken waren zwar gestern nicht mein Kernthema, ich wollte aber ein wenig danach schauen. Und gleich nach Überwindung des Weidezauns, so bei 1155m, machte ich eine überraschende Entdeckung. Omocestus haemorrhoidalis ist eine Art, die ich früher im südlichen Waldviertel praktisch in jedem Quadranten nachweisen konnte und die damals sogar neben meiner Haustür einmal an der Hauswand gesessen ist 
Innerhalb weniger Jahre ist die Art aber fast völlig dort verschwunden und ich sehe sie eigentlich seit Jahren kaum mehr. Und dann entdecke ich sie in dieser Höhe direkt an einem schwach erkennbaren, teilweise steinigen Almweg, der durch Bürstlingsbestände führte. Wie sich herausstellte, hauste dort eine wohl nur kleinere Population, die diesen permanent vorhandenen Bürstling in windgeschützter, sonniger Lage nutzte, ähnlich, wie es der St. nigromaculatus am Eisenstein tat.


Direkt vom Habitat habe ich leider keine Bilder gemacht - die Fundstelle liegt etwas links von diesem Bildausschnitt:

Sowas auf den riesigen Almen zu finden - war das einfach Glück oder doch mein faunistischer Spürsinn?
Jedenfalls gibt es im gesamten eigentlichen Mostviertel lt. Atlas nur 4 alte Nachweise von vor 1980, wenn man von den paar donaunahen jüngeren Nachweisen absieht, die gefühlt eh fast alle von mir stammen und jetzt sicher alle erloschen sind.
Das sind so die kleinen Sensationen, über die man sich freuen kann. Sonst war es heuschreckenmäßig eher mau, ich fand lineatus (immerhin bis etwa 1260m), Ch. biguttulus (massenhaft), parallelus, G. rufus, Eu. brachyptera, Chr. dispar, M. parapleurus, T. cantans, D. verrucivorus. Interessant: Kein einziger Psophus, der doch am Eisenstein in vergleichbaren Habitaten so häufig war.
Ich fand immerhin einiges an Enzianen, hatte aber sehr zu kämpfen, um hier Einachweise des Enzian-Ameisenbläulings zu machen. An Schwalbenwurz-Enzian, der vorrangig am Eisenstein genutzt wird, war gar nix, an den Kranzenzianen fand ich zwar Eier, aber vll. 30-40 auf der gesamten von mir begangenen Almfläche. Allerdings hat es sich hier offensichtlich um eine andere Kleinart gehandelt, vermutlich Gentianella rhaetica, während in tieferen Lagen offensichtlich G. austriaca dominiert und in den Kalkalpen dann G. aspera.
Dieser Kranzenzian-Typ des Enzian-Ameisenbläulings in den Randalpen ist bis heute noch völlig unerforscht, was Genetik und Wirtsameisen betrifft, war früher flächendeckend als Besonderheit in den Nordostalpen verbreitet und ist heute durch massiven Rückgang der Kranzenziane offenbar vom Aussterben bedroht. Ursache ist die heutzutage intensive Grünlandbeweidung in den voralpinen Gebieten.
Die wenigen Eifunde gelangen immer an den mächtigsten Enzianpflanzen:

An diesem Exemplar versteckten sich 6 Eier
Die tiefstgelegene Pflanze mit 8 Eiern in der Nähe des haemorrhoidalis:

Die 2 sichtbaren Eier hier in Großaufnahme:

Und hier klassisch am Kelch der Gentianella-Blüte:

Bei den Eikontrollen muss man sehr aufpassen:

Und das wars dann schon vom Rainstock, einem der unbekannten Hügel in den niederösterreichischen Randalpen.
VG Wolfgang